Gebannt blickt die internationale Staatengemeinschaft derzeit in Richtung Naher Osten. Die blockierte Straße Hormus steht im Zentrum des Interesses der Weltöffentlichkeit. An den seit Jahren andauernden Krieg in der Ukraine wird aktuell weit weniger gedacht. Dabei hat der Krieg nicht an Brutalität und Zerstörungskraft verloren. Eine zeitnahe militärische oder diplomatische Lösung des Krieges ist nicht in Sicht. Da die USA nun im Nahen Osten ihre Kapazitäten binden müssen, hat die Ukraine bei Uncle Sam noch weniger Priorität als vor dem Angriff auf den Iran.
Teil des Besuchs in Deutschland ist auch ein exklusives Interview mit Maybrit Illner. Selenskyj wirkt in dem Interview erstaunlich selbstbewusst. Obwohl die Ukraine am finanziellen Tropf der EU und insbesondere der Bundesrepublik hängt, sieht sich Selenskyj auf Augenhöhe. Das ukrainische Staatsoberhaupt kann auch deshalb auftrumpfen, weil die Moderatorin kaum kritisch interveniert. Grassierende Korruption und innenpolitische Kritik der ukrainischen Opposition sind kein Thema. Wenn Selenskyj von der Erfüllung der EU-Beitrittsbedingungen spricht, lässt Illner ihn einfach gewähren, obwohl das Land so gut wie keine Bedingung erfüllt. Das Interview ist mehr Hofberichterstattung als knallharte Fragerunde.
Ohne Moos ist nichts los. Diese Volksweisheit gilt besonders für ein Land wie die Ukraine. Wer sich im Krieg befindet und bei dem große Teile der erwerbsfähigen Bevölkerung entweder an der Front kämpfen oder im Ausland verweilen, hat ein Problem mit der staatlichen Refinanzierung. Sowohl der zivile als auch der militärische Haushalt der Ukraine speisen sich zu großen Teilen aus finanziellen Zuwendungen der europäischen Länder. „Deutschland ist der größte Partner der Ukraine in Europa“, stellt Wolodymyr Selenskyj klar. Aber nicht nur auf Europa bezogen, gilt diese Aussage. „Deutschland macht mehr als alle anderen“, erklärt der ukrainische Präsident.
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