Wirtschaftsministerin Katherina Reiche hat geschafft, was selbst dem amerikanischen Präsidenten nicht gelungen ist: Mit ihrer öffentlichen Kritik an Finanzminister Klingbeil und dessen Übergewinnsteuer riss die Ministerin den Bundeskanzler und seine Genossen für kurze Zeit aus dem politischen Wachkoma.
Leitwolf Merz gab das Signal zur Manöverkritik an Reiche und zeigte sich befremdet über den öffentlichen Schlagabtausch seiner Ministerin. Merz mahnte zur Zurückhaltung – ein Ton, der eher wie eine letzte Abmahnung vor dem Rausschmiss klang.
Es ist faszinierend zu beobachten, wie rasch sich ein Wolfsrudel aus Politik und Medien formiert hat, um den Finanzminister vor Reiches Kritik abzuschirmen. Aus dem Umfeld des Finanzministers hieß es, bei Reiches Kritik handle es sich um eine bewusste Eskalation. Sie versuche, ein regelrechtes Koalitionsfeuer zu schüren.
Zur Kritik an der Ministerin gesellte sich der unvermeidliche CDU-Arbeitnehmerflügel. Dessen Vizevorsitzender Christian Bäumler forderte den Austausch der Ministerin. Wir sehen: Schon vorsichtige Kritik am sensiblen Finanzminister schließt die Reihen innerhalb der Brandmauer-Koalition. Geht es um die Abzocke der Steuerzahler, ist Klingbeil weniger sensibel und zimperlich. Da wird ordentlich zugelangt.
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