Bisher war Friedrich Merz eine sichere Bank: Wer darauf wettete, dass er seine großen Reden im Bundestag mit einem ellenlangen Monolog zum Ukraine-Krieg beginnt, der erwartete einen sicheren Gewinn – aber auch nur einen kleinen. Denn die Strategie als Bundesaußenkanzler aufzutreten, um von inneren Problemen abzulenken, war so offensichtlich und erwartbar, dass auf Merz’ Ausweichen ins Ausland kein gescheiter Buchmacher eine gute Quote geboten hätte. Doch der Kanzler ist aus dem Tritt geraten. Ein Grund dafür sind seine miesen Ergebnisse nach einem halben Jahr Amtszeit: Die Wirtschaft schrumpft weiter, die Laune im Land hat sich nicht verbessert und die einstige „große Koalition“ hat in Umfragen keine Mehrheit mehr.
Ein anderer Grund für Merz’ Umdenken ist Alice Weidel. Die deutsche Oppositionsführerin hält aktuell im Parlament die geschliffensten und treffendsten Reden. So in der Generaldebatte, der Aussprache zum Haushalt des Kanzleramts. Weidels Qualität liegt in den guten Bildern der AfD-Vorsitzenden. Etwa, wenn sie Merz Unterwürfigkeit gegen seinen Vizekanzler darstellt, den sensiblen Lars Klingbeil (SPD): Der Kanzler sei kein Kapitän mehr, stellt Weidel dar. Denn: „Der Erste Offizier hat ihm die Kapitänsmütze geklaut.“
Dann wird Weidel konkret. Sie nutzt die Generaldebatte, um zwölf Punkte vorzustellen, die eine AfD in der Regierung umsetzen würde. Dazu zählt die Energiepolitik. Weidel will den Heizhammer, die Sprengung von Atomkraftwerken und den Ausbau erneuerbarer Energien stoppen und Erdgas dort einkaufen, „wo es am günstigsten ist“. Das ist ihrer Meinung nach Russland. Die „ökosozialistische Planwirtschaft“ mit Verbrennerverbot und Lieferkettengesetz will Weidel beenden.
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