Auch Legosteine verherrlichen die Zweigeschlechtlichkeit. Sagt die Gender-Wissenschaft. Denn es gibt ja auf der Oberseite die Noppen, auf der unteren Seite die Löcher zu deren Aufnahme. Und die werden schließlich ineinandergesteckt. Darüber spricht man gerne in den Kategorien männlich-weiblich, Sie verstehen schon. Legosteine werden gleichsam „gepaart“. Auf dass im Kinderzimmer schließlich eine Burg, ein Raumschiff oder ein Mini-Louvre entstehe. Und das engt die Lebensentwürfe von Menschen ein, die weder männlich noch weiblich sein wollen. Ist also queerfeindlich. Sagt auch die Gender-Wissenschaft.
Diese großartige Einsicht wurde jüngst der Öffentlichkeit zur Kenntnis gebracht, nachdem der Tech-Milliardär Elon Musk einen entsprechenden Bericht des britischen Telegraph mit einem Emoji versah. Verkündet wurde sie von einem „Gender- und Sexualitätsnetzwerk“ des Londoner Wissenschaftsmuseums bereits im Jahr 2022. Diesem Netzwerk geht es darum, queere Perspektiven auf die Technik- und Wissenschaftsgeschichte freizulegen: Etwa darauf hinzuweisen, dass die Rennfahrerin und Spitfire-Pilotin Roberta Cowell der erste britische Mann war, der im Jahr 1951 einer Geschlechtsumwandlung – zur Frau – unterzogen wurde. Oder das Schicksal des Mathematikers Alan Touring ins Bewusstsein zu heben: Touring war einer der Erfinder des Computers, der im zweiten Weltkrieg mit raffinierten statistischen Modellen die Entzifferung der Botschaften der deutschen Dechiffriermaschine Enigma ermöglichte. Touring war schwul und wurde nach seinen bahnbrechenden mathematischen Leistungen einer chemischen Kastration unterzogen, was ihn schließlich 1954 in den Selbstmord trieb. 2009 wurde Touring von der britischen Regierung rehabilitiert und der schändliche Umgang mit seiner Person trat ins öffentliche Bewusstsein.
So nahe liegen also seriöse Geschichtsbetrachtung einerseits und postmoderne Albernheiten andererseits beieinander. Natürlich spricht nichts dagegen die Geschichte von Trans-, Inter-, und Homosexuellen zu schreiben und in einem Museum darzustellen. Oder den Umgang mit diesen Personengruppen in vergangenen Zeiten zu kritisieren und sich dadurch als Gesellschaft der eigenen Wertebindung zu vergewissern.
Aber heteronormative Legosteine?
Hinter solchen vermeintlich nebensächlichen Petitessen einer hypertrophierten Woke Culture verbirgt sich ein ernstes Problem. Für zentrale Institutionen moderner Gesellschaften wie die Wissenschaft und eine liberal-demokratische Politik erweist es sich als grundstürzend. Nach den dreisten Versuchen, Mütter in das „gebärende Elternteil“ und Frauen zu „menstruierenden Menschen“ umzubenennen; der grotesk unfairen Beteiligung von Transfrauen im Frauensport, der nun wenigstens in den USA ein Riegel vorgeschoben wird; der Möglichkeit, dass sich unter dem Deckmantel der Gleichberechtigung nicht umoperierte Transfrauen bemüßigt fühlen, Frauenfitnessstudios zu besuchen; dem massiv vulnerable Jugendliche gefährdenden deutschen „Selbstbestimmungsgesetz“, das es mit einer Geldstrafe belegt, wenn man einen biologischen Mann einen Mann nennt – nach all diesen Vorkommnissen wird klar, dass identitätslinke Parallelmilieus ein massives Problem mit der Realität haben: Ebenso wie das Karwendelgebirge überwiegend aus Kalkstein besteht, die Energie von Sternen durch Kernfusion erzeugt wird und das Wasser aus der Erde an die Spitze der Blätter eines Baumes durch Kapillarkräfte gelangt, so gibt es eben zwei Geschlechter: Männer zeugen Kinder, Frauen gebären sie. Darin besteht die einzig bekannte Reproduktionsstrategie der Gattung Homo Sapiens. Da Geschlechtlichkeit bei allen Säugetieren ausnahmslos auf eine Reproduktionsstrategie bezogen ist, müsste die Existenz eines dritten, vierten oder vierundsechzigsten Geschlechts zwingend bedeuten, dass es auch eine zweite oder gar dritte Reproduktionsstrategie unserer Gattung geben müsste. Eine solche existiert aber nicht.
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