„Geht überhaupt nicht“, „gehört sich nicht“: Warum ertragen es die Mächtigen nicht mehr, dass man über sie lacht?

vor 8 Monaten

„Geht überhaupt nicht“, „gehört sich nicht“: Warum ertragen es die Mächtigen nicht mehr, dass man über sie lacht?
Bildquelle: NiUS

Obwohl sie mit jeder Menge „Dummtüch“ (Olaf Scholz) Anlässe zuhauf liefern, finden die Regierenden es unstatthaft, wenn sie dafür Hohn und Spott ernten – oder auch nur spontanes Gelächter. Sie verbitten sich das Lachen von „unten“ als respektlos. Wer die Machthaber nicht ernst nimmt, soll keinen Anstand besitzen, Lachen ist jetzt „rechts“ und damit illegitim.

Das Gelächter setzte mit Verzögerung ein. Bärbel Bas, Bundesministerin für Arbeit und Soziales sowie SPD-Chefin, hatte eben gesagt, dass aus Steuermitteln Finanziertes die Beitragszahler nicht belastet, und die Arbeitgeber brauchten zwei Sekunden, um den Stuss zu realisieren. Dann wurde herzlich gelacht. Bas reagierte verstört: „Ja, das mag für Sie lustig klingen … Das ist nicht … das ist überhaupt nicht lustig!“

Vor den Jusos sagte sie dann, sie sei beim Deutschen Arbeitgebertag ausgelacht worden. Das ganze Ereignis sei ein „Schlüsselerlebnis“ für sie gewesen und man müsse nun gemeinsam „den Kampf aufnehmen“. Der SPD-Fraktionsvorsitzende Matthias Miersch beließ es bei einer (durchaus gewagten) Ermahnung: „Ich glaube, wir sind uns alle hier einig, dass das Auslachen einer Ministerin an dieser Stelle überhaupt nicht geht.“ Und der SPD-Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz, Alexander Schweitzer, antwortete in der Talkshow von Markus Lanz auf dessen Frage „War das Gelächter berechtigt?“ mit „Nein. Und zwar einfach auch, weil es sich nicht gehört.“

„Das ist überhaupt nicht lustig!“ Bärbel Bas reagiert angefasst auf Gelächter.

Das kann man mit Fug und Recht anders sehen – nicht nur, weil es, wie Lanz richtig anmerkte, kein hämisches, höhnisches Gelächter war, sondern eine spontane Reaktion, und zwar auf eine peinlich dumme Aussage. Die ganz ähnlich übrigens schon Robert Habeck getätigt hatte: Die EEG-Umlage, hatte er gesagt, „zahlen wir als Staat und nicht die Bürgerinnen und Bürger.“

Warum sollte es „überhaupt nicht gehen“, eine unfreiwillig komische Aussage mit Lachen zu quittieren, warum „gehört es sich nicht“? Seit inkompetente Politiker in verstärktem Maße „Dummtüch“ (Olaf Scholz) von sich geben, den man früher so nicht gehört hat – erinnert sei hier an Annalena Baerbocks „Kobold“, ihre „Tierpanzer“ und das Grundlasthuhn oder Katrin Göring-Eckardts „Atomkraft verstopft die Netze“ –, fragt man sich ja eher, warum in solchen Momenten nicht ganze Heiterkeitsstürme im Saal ausbrechen.

Ein Habeck stellt sich brasilianischen Ureinwohnern als „so was wie ein Häuptling“ vor, Cem Özdemir verwechselt im Interview Gigawatt mit Gigabyte und Mario Voigt maßregelt Björn Höcke allen Ernstes, es heiße „Gehacktesbrötchen“ und nicht „Mettbrötchen“ – und da soll man sich nicht scheckig lachen?

Die Bürger tun es, vor allem in den sozialen Netzwerken, wo sie allerlei Memes teilen, mit denen sie sich über, nun ja: lachhafte Politiker-Sprüche lustig machen. Und wie reagieren diese? Mit einer Flut von Anzeigen gegen die Urheber, selbst ein harmloses „Schwachkopf“-Meme gilt Politikern inzwischen als aus Hass und Hetze geborene schwere Beleidigung, die dem Geschmähten die Ausübung seiner Dienstpflichten unmöglich macht.

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