Kanzler-Dämmerung: Warum die Macht von Friedrich Merz täglich schwindet

vor 3 Monaten

Kanzler-Dämmerung: Warum die Macht von Friedrich Merz täglich schwindet
Bildquelle: NiUS

Die heftigste Attacke kommt aus der eigenen Koalition: „Es ist ein Riesenproblem, dass er so ein impulsiver Mensch ist“, sagte SPD-Fraktionschef Matthias Miersch laut Bericht der Bild über Kanzler Friedrich Merz (CDU). Als Beispiele nennt er unter anderem Aussagen zur Basisrente sowie den Appell des Kanzlers, man müsse „Respekt vor den Besserverdienenden haben“. Ihn habe das „aufgeregt“, sagt er auf einer Veranstaltung in Unna (NRW). Und dann frontal gegen den Regierungschef: „So kann man eigentlich kein Kanzleramt führen.“

Wenige Stunden vor den Demonstrationen zum 1. Mai, der in der DDR „Kampf- und Feiertag der Werktätigen“, scheint der Bundeskanzler von immer mehr Seiten unter Feuer genommen zu werden: aus den eigenen Reihen, von der SPD, den Rest erledigt er im Spiegel-Interview selbst. Eine Kanzler-Dämmerung, die immer rasanter heraufzuziehen scheint.

„Auf den Kanzler kommt es an“, titelte die CDU im Bundestagswahlkampf 1969 auf ihren Plakaten. Auf Friedrich Merz kommt es in der aktuellen Bundesregierung immer weniger an. Während sich die Öffentlichkeit noch über die Spiegelstriche der koalitionären Kompromisse beugt, verfällt die Macht des Kanzlers intern mit jedem Tag.

Die denkwürdige Koalitionsklausur von Union und SPD Mitte April in der Berliner Villa Borsig war für die Autorität des Regierungschefs eine letzte, maßgebliche Zäsur. Ausgerechnet die großbürgerliche FAZ kommentiert: „Ob es nun eine Brüllerei oder einfach nur eine harte Auseinandersetzung zwischen Kanzler und Vizekanzler war, die vor gut zwei Wochen in der Villa Borsig den Koalitionsausschuss erschütterte: Diese Koalition ist nicht mehr zu retten.“ Kanzler und Koalition im Endstadium. Wenn selbst die FAZ in brutaler Härte den Stab über diese unionsgeführte Regierung bricht, ist in Deutschland etwas damatisch aus dem Ruder gelaufen.

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