Europa und Russland brauchen eine neue Sicherheitsordnung

vor 9 Monaten

Europa und Russland brauchen eine neue Sicherheitsordnung
Bildquelle: Tichys Einblick

Die Schlagworte lauten Abschreckung, Sanktionen, Isolation. Was fehlt, ist Diplomatie. Brüssel und Berlin sprechen von Frieden, handeln aber vor allem in der Sprache der Strafe. Sanktion folgt auf Sanktion – mit begrenzter Wirkung. Weder hat Moskau seine Politik geändert, noch ist Europa sicherer geworden. Stattdessen verfestigt sich ein Dauerzustand der Konfrontation, in dem beide Seiten nur noch auf Reaktion, nicht auf Lösung setzen.

Das ist kein Zufall, sondern das Ergebnis einer politischen Kultur, die sich seit Jahren von strategischem Denken entfernt hat. Diese intellektuelle Vereinsamung gilt sowohl für Brüssel als auch für Deutschland.

Die Europäische Union versteht sich als moralische Instanz, nicht als geopolitischer Akteur. Sie spricht von Werten, aber sie vermeidet Machtpolitik. In Brüssel verwechselt man Haltung mit Handlung. Dabei wäre gerade jetzt eine besonnene, realpolitische Diplomatie nötig – eine Politik, die Interessen formuliert, statt Feindbilder zu pflegen.

Die EU sieht sich selbst als Friedensprojekt, als moralische Alternative zur Machtpolitik vergangener Jahrhunderte. Doch diese Selbsterzählung scheitert an der Wirklichkeit. Frieden entsteht nicht durch Appelle, sondern durch Ordnung. Wer behauptet, moralisch im Recht zu sein, ist noch lange nicht sicher.

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