US-Präsident Donald Trump schimpft, doch die amerikanische Notenbank (Fed) zeigt sich unbeeindruckt und unabhängig. Ungeachtet der Forderung Trumps, die Zinsen rasch zu senken, hat die Fed nach zweitägigen Beratungen den Leitzins im Bereich von 4,25 bis 4,5 Prozent belassen. In diesem Korridor liegen sie schon seit vergangenem Dezember. Im Statement zum Entscheid schreibt das Fed, die Unsicherheit zu den wirtschaftlichen Aussichten habe zwar abgenommen, bleibe aber hoch. Die Notenbank will daher mit einer Zinsänderung warten, bis die Sicht klarer ist. Schwer prognostizierbar sind derzeit vor allem Trumps Zollpolitik und ihre Auswirkung auf die Inflation. Auch der Krieg Israels gegen Iran trägt zur Verunsicherung bei.
Für mehr Spannung als der Zinsentscheid selbst hatte in den vergangenen Tagen die Frage gesorgt, wie die Mitglieder des Offenmarktausschusses die weitere Zinsentwicklung einschätzen. Nun ist klar, dass sich gegenüber der vergangenen Schätzung im März – als Trumps Zollpläne noch nicht bekannt waren – nichts geändert hat. Ende Jahr wird mit einem Leitzins von 3,9 Prozent (Median) gerechnet, was zwei Zinssenkungen entspricht. Das ist ein gleich hoher Wert wie bei der Schätzung im März.
Beim Wirtschaftswachstum korrigiert das Fed die Prognose für das laufende Jahr von 1,7 Prozent auf 1,4 Prozent nach unten. Die Notenbanker rechnen für 2025 außerdem mit einer höheren Inflationsrate von 3,0 Prozent, nachdem man im März noch eine Teuerungsrate von 2,7 Prozent angenommen hatte. Im Vergleich mit der derzeit bei 2,4 Prozent liegenden Inflation erwartet das Fed somit steigenden Teuerungsdruck bei schwächerer Konjunktur. Die Entscheidung, die Zinsen nicht zu senken, scheint vor diesem Hintergrund wohlbegründet.
Unter ganz anderem Druck scheinen die Schweizer Währungshüter zu stehen. Dort hat die Inflationsrate im Mai die Null-Linie leicht unterschritten, und es droht eine Deflation. Sie senkten deshalb nun den Leitzins auf null Prozent. Zur Erinnerung: Im März, Juni und September 2024 hatte die Schweizer Nationalbank den Leitzins jeweils um 25 Basispunkte, im vergangenen Dezember sogar um 50 Basispunkte, im März 2025 dann wieder um 25 Basispunkte gesenkt. Zuvor hatte die Notenbank ab Juni 2022 den Leitzins von damals -0,75 Prozent in nur fünf Schritten auf 1,75 Prozent gehievt. Der Grund war die markant gestiegene Teuerung, die sich seither deutlich verringert hat. Zuletzt war sie im Mai sogar leicht negativ, was die Schweizer Nationalbank ziemlich beunruhigt.
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