Die Vorstellung des neuen EU-Vorhabens, ausgerechnet am Rande des WEF in Davos, dürfte viele an alte Schultage erinnern: Per Overhead-Projektor wird ein Text auf eine Leinwand geworfen, der in Star-Wars- oder Star-Trek-Manier in die Weiten des Weltraums zu entschwinden scheint. Darin heißt es: Ein soziales Netzwerk sei geplant, „in dem Menschen wichtiger sind als Algorithmen und die freie Rede und Privatheit mehr als Slogans sind“. Authentizität verblasse. Etwas sei kaputt. Das will ausgerechnet die EU nun reparieren.
Es gab immer wieder Versuche, die als Online-Raum des Politischen dann doch bewährte Plattform X zu ersetzen. Meist waren es Versuche, zur alten Linksdominanz des Vorgängers Twitter zurückzukommen, die sich bekanntlich staatlicher Einflussnahme vor allem aus dem Dunstkreis früherer US-Regierungen verdankte. Nun gibt es Mastodon, Bluesky und wie sie alle heißen. Der EU reicht das nicht. Sie plant ihr eigenes Gegen-X, das angeblich eine „bessere Version von Twitter“ werden soll, mit ganz viel „positiver, respektvoller Kommunikation“. Also nicht jene ewigen „Hassbotschaften“, die viele Nutzer aber schlichtweg für legitime Kritik an politischen Entscheidungen und den daraus erwachsenden Zuständen halten werden.
Den EU-Großen kommt es aber noch auf mehr an. Sie haben es satt, dass die gesamte Technologie, mit der auch sie politisch zu kommunizieren versuchen, entweder aus den USA und China, teils sogar aus Russland kommt. Auf der neuen Website deutet dieses Manko ein großer Kringel an, der das leergelassene Europa auf der Weltkarte umkreist. In den USA sehen wir die Logos von Bluesky, Faceook, Instagram, LinkedIn und vielen anderen, über der eurasischen Landmasse erscheinen die Signets von TikTok, WeChat und OK. In Europa, wie gesagt, Fehlanzeige.
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