EU-CO2-Zwang treibt Reeder zur Atomkraft – Frachtschifffahrt im Umbruch

vor 3 Monaten

EU-CO2-Zwang treibt Reeder zur Atomkraft – Frachtschifffahrt im Umbruch
Bildquelle: Tichys Einblick

Seit 2025 sind Handelsschiffe, die Europa anlaufen oder von dort starten, in den Emissionshandel eingebunden. Sie müssen für mittlerweile 70 Prozent ihrer Emissionen von Kohlenstoffdioxid (CO2) zahlen. Die Preise steigen, und so ist es kein Wunder, dass Reeder weltweit nach Lösungen suchen, diese Abgabe zu umgehen. Denkbar ist Elektroantrieb, wobei der Strom von Brennstoffzellen geliefert wird, die mit grünem Wasserstoff betrieben werden. Der aber ist bei weitem nicht in den Mengen auf dem Markt, die die Seeschifffahrt benötigt. Ähnlich sieht es bei grünem Diesel aus, der aus CO2, der aus der Luft gewonnen wird, und grünem Wasserstoff hergestellt wird. Dritte Möglichkeit ist der atomare Antrieb. Ein oder mehrere Reaktoren erzeugen an Bord der Schiffe Strom oder Dampf für den Antrieb und die Aggregate an Bord wie Kühlsysteme, Pumpen und Hebezeug.

Die Idee, Nuklearenergie, die aktuell nur in russischen Eisbrechern und in U-Booten mehrerer Länder umgesetzt wird, in Frachtschiffen zu nutzen, hatten 2024 der Kernenergie-Entwickler und -Berater ULC-Energy BV in Amsterdam und der Schiffsdesigner C-Job Naval Architects in Hoofddorp am Amsterdamer Flughafen Schiphol, siehe „Tichys Einblick“. Sie zeigten in einer Studie, dass ein Nuklearantrieb die Klimagasemissionen von Schiffen um 98 Prozent reduzieren würde, verglichen mit einem Schiff, das mit Schweröl beziehungsweise Diesel angetrieben wird. ULC Energy ist unter anderem in den geplanten Bau von kleinen Kernkraftwerken des britischen Herstellers Rolls Royce SMR involviert.

Heute gibt es weltweit drei Unternehmensgruppen, die ernsthaft daran arbeiten, Atomfrachter zu bauen. Abgesehen davon, dass sie praktisch kein CO2 emittieren, haben diese noch weitere Vorteile: Sie schaffen auf den Schiffen zusätzlichen Raum, den bisher die Tanks für Schweröl und Diesel beanspruchten. Zudem müssen diese Schiffe nur noch selten „betankt“ werden. Die schwimmenden Reaktoren beziehungsweise Kernkraftwerke laufen mehrere Jahre, ehe sie mit neuem Brennstoff beladen werden müssen.

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