Ein Gift ist zurück

vor 9 Monaten

Ein Gift ist zurück
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Als Donald Trump im Januar in die Rotunde des US-Kapitols schritt, um seinen Amtseid als 47. Präsident der Vereinigten Staaten abzulegen, war es nicht nur ein historisches Comeback – es war auch ein sichtbarer Moment des kulturell-gesellschaftlichen Sieges seiner Bewegung. Versammelt hinter ihm stand die Elite Amerikas: Nicht nur die Politik, sondern auch Tech-Unternehmer von Jeff Bezos bis Mark Zuckerberg, die bis vor wenigen Jahren noch als Trump-Gegner galten, suchten jetzt ganz anders als bei der ersten Amtszeit bewusst seine Nähe. Die führenden Unternehmer der USA von Elon Musk bis Sam Altman sind jetzt ganz offensiv Trump-freundlich.

Linke Großproteste blieben aus, statt elektrisiert tritt die Opposition der Demokraten demobilisiert, desillusioniert und schwach auf – die Stimmung, die sich nicht nur in den Gängen des Kongresses, sondern in Amerikas Gesellschaft und Geschäftswelt breit macht, war: Woke ist vorbei – und ein konservatives Amerika ist zurück. Statt Außenseiter treten die Konservativen unter Trump 2.0 nun nicht mehr als schweigende, sondern als laute und beinahe unaufhaltsame Mehrheit auf. Die konservative Bewegung in den USA steht also eigentlich auf der Höhe eines hart erfochtenen Sieges im Kulturkampf.

Ausgerechnet jetzt – oder gerade weil dieser Erfolg viele anzieht, die politische Chancen für sich sehen – taucht ein altes, lange hinter sich geglaubtes Gespenst wieder auf: Antisemitismus von rechts. Es ist paradox: Eigentlich sitzt mit Trump ein Präsident im Oval Office, der beinhart gegen Antisemitismus auftritt. Seit Anfang des Jahres lässt er viele der ausländischen Studenten des Landes verweisen, die sich noch letzten Sommer an antisemitischen Uni-Besetzungen beteiligten. Er stärkt den jüdischen Staat wie kaum ein anderer Präsident vor ihm und wird dort für seine Friedensbemühungen im Krieg mit der Hamas längst quer durch das Parteienspektrum gefeiert.

Dennoch tauchen zur gleichen Zeit in der US-Rechten antisemitische Auswüchse mit beängstigender Stärke auf – nicht unter gewählten Amtsträgern, aber im politischen-medialen Vorfeld. Wortführer des rechten Antisemitismus ist in den USA Nick Fuentes, ein junger, zunehmend reichweitenstarker Podcaster, der als erklärter Trump-Gegner auftritt. Ihm ist der Republikaner im Weißen Haus zu israelfreundlich, zu judenfreundlich. Er versucht, für sich Trumps „America First“ in Anspruch zu nehmen und es umzudeuten.

Erklärte Trump in seiner Amtseinführungsrede 2017 noch: „Ob wir schwarz, braun oder weiß sind, wir alle bluten das gleiche rote Blut der Patrioten, wir alle genießen die gleichen glorreichen Freiheiten und wir alle salutieren die gleiche großartige amerikanische Flagge“, so hat Fuentes ein ganz anderes Verständnis: Für ihn sind bei „Amerika zuerst“ nur weiße, nicht-jüdische Amerikaner gemeint. An die Adresse jüdischer US-Konservativer erklärt Fuentes regelmäßig in wütenden Monologen: „Du bist ein Fremder, du bist hier nicht zu Haus! Vergiss das nie für eine Sekunde!“

„Hier ist mein Programm für Amerika“, meinte Fuentes zuletzt: „Wir nehmen all die Shapiros, die Weinsteins, die Epsteins, und wir nehmen die Zohrans, die Hassans und die Ilhans, wir packen sie alle zusammen auf ein Schiff und wir schicken sie alle zurück in den verdammten Nahen Osten. Lasst uns alle Kopftuchträger auf die eine Seite stellen und die mit den kleinen Hüten [gemeint: jüdische Kippas] auf die andere Seite, und wir schicken sie zurück in den Nahen Osten.“ Amerikanische Juden, die seit Generationen in den USA leben, gehören für Fuentes genauso abgeschoben wie arabische Migranten.

Routinehafte Hitler- und NS-Glorifizierung vor der Kamera, einschließlich offener Holocaust-Leugnung, gehören bei ihm derweil zum guten Ton. Jahrzehntelang waren solche Ideen vollkommene Randpositionen.

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