Inzwischen ist nicht einmal mehr die Frage, ob im Umfeld der Weimer Media Group Rechtsverstöße stattfanden – sondern, wie lange sie hingenommen wurden. Über Jahre wurden Texte von bekannten Autoren ohne deren Wissen oder Zustimmung veröffentlicht und als Teil eines angeblich gewaltigen Autoren-Netzwerks präsentiert, das in Unternehmensdarstellungen als je mal mit 1.000 oder mit 2.000 Autoren aufgepumpt dargestellt wurde. Nach den Recherchen von Alexander Wallasch wurde im Hause Weimer bei „The European“ gelöscht, was das Zeug hielt. Unterlassungserklärungen und die nun eingeleiteten Vorermittlungen der Staatsanwaltschaft München belegen: Diese Vorgänge waren kein Ausrutscher, sondern dokumentierter Bestandteil des operativen Tagesgeschäfts.
Besonders deutlich wird das am Umgang mit vermeintlichen Medienpartnerschaften. Behauptete Kooperationen etwa mit der FAZ existierten nach Auskunft der Zeitung gar nicht. Logos von The Economist verschwinden nach Anfragen von Tichys Einblick aus den Materialien der Weimer Media Group zu den Events, ebenso das Logo von CNBC. Als über Jahre als Ausweis internationaler Bedeutung geführte Marken plötzlich kommentarlos getilgt werden, zeigt sich endgültig, wie sehr der öffentliche Glanz auf wackligen Grundmauern ruhte.
Das hochgestapelte Selbstbild eines seriösen publizistischen Akteurs ist damit nicht angekratzt, sondern vollständig widerlegt.
Die Übertragung der Firmenanteile an einen Treuhänder wirkt vor diesem Hintergrund bislang wie reine Kosmetik für die Öffentlichkeit. Eine Eintragung im Transparenzregister fehlt bisher.
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