Es ist fast 2 Uhr morgens an einem Freitag oder technisch gesehen schon Samstag, ich stehe an einer Straße irgendwo in Kreuzberg und warte auf Ahmed G.. Wenn man heutzutage mit einer App ein Taxi ruft, bekommt man schon vorher Name und ein Foto von seinem Taxifahrer angezeigt. Ich kann problemlos an einer Hand abzählen, wie oft ich schon allein ein Taxi genommen habe. Das könnte ich sogar, wenn ich wie der Ehemann der Cousine meiner Großmutter zwei meiner Finger als Hafenkapitän in einem Schiffstau verloren hätte.
Ich kann ganz einfach nicht einsehen, weshalb ich 16 Euro dafür bezahlen sollte, in einem Auto eine Strecke gefahren zu werden, die ich problemlos auch einfach in drei Stunden zu Fuß zurücklegen könnte, während ich mit dem Puls eines Infanteristen in der Schlacht von Waterloo in den Straßenecken nach zwielichtigen Gestalten Ausschau halte. Ich weiß auch nicht, was ich diese Nacht anders gemacht habe, aber da ist Ahmed in seinem Mercedes schon vorgefahren, bevor ich meine finanziellen Entscheidungen überdenken kann.
Ahmed, ungefähr Mitte 50, ist höflich, aber merklich genervt. Mit leichtem Akzent erklärt er mir, er hätte noch früher da sein können, „aber hier sind jetzt so viele Einbahnstraßen, da kommt man einfach nicht durch“. Ganz vorsichtig erwidere ich: „Ja, diese Verkehrsberuhigungsmaßnahmen haben wirklich zugenommen.“ Vielleicht machte mich das in seinen Augen zu einer Verbündeten, jedenfalls gab es für Ahmed jetzt kein Halten mehr. „Daran sind die Grünen schuld mit ihrer Verkehrspolitik! Die wollen, dass wir alle mit dem Fahrrad fahren, die haben doch einen an der Macke!“
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