Es gibt Momente, in denen die Absurdität der politischen Kommunikation eine Qualität erreicht, die selbst den hartgesottensten Zyniker sprachlos zurücklässt. Das Auswärtige Amt hat einen solchen Moment geschaffen. Man nahm einen der ikonischsten Augenblicke dokumentarischer Filmkunst – Werner Herzogs Pinguin aus „Encounters at the End of the World“ – und verwandelte ihn in einen EU-Werbespot. Das Ergebnis ist so verstörend, dass man nicht weiß, ob man weinen oder lachen soll.
Zur Erinnerung: Im Original von 2007 beobachtet Herzog einen Pinguin, der sich von seiner Kolonie löst und allein Richtung Berge watschelt – in den sicheren Tod. „But why?“, fragt Herzog mit seiner unverwechselbaren Grabesstimme. Es ist eine Frage ohne Antwort, ein Moment purer existentieller Verstörung. Der Pinguin folgt einem Ruf, den niemand versteht, am wenigsten er selbst. Er wird sterben, und er weiß es vermutlich nicht einmal. Es ist Camus in Federn.
Das Internet, jener kollektive Verstand unserer Zeit, erkannte die Tiefe dieser Szene. Der „Depressed Penguin“ wurde zum Meme, zur Chiffre für Momente, in denen man weitermacht, obwohl alles sinnlos erscheint. Plus Ultra in seiner reinsten Form: Weiter, immer weiter, auch wenn dahinter nur der Abgrund wartet.
Und dann kam das Auswärtige Amt.
In ihrer Version trägt der Pinguin einen blauen Rucksack. Aus diesem ragen die Köpfe von Friedrich Merz, Emmanuel Macron und Keir Starmer (oder doch Johann Wadephul? Wer weiß…). Wie ausgeschnittene Panini-Bildchen, die ein übereifriger Praktikant dort hingeklebt hat. Der Pinguin watschelt nicht mehr in den Tod – nein, er besteigt einen Gipfel, bekommt einen Heiligenschein aus EU-Sternen, zwinkert in die Kamera (ja, er zwinkert), und fliegt dann im Superman-Stil davon.
🔴 LIVESTREAM von OE24.TV










