Der Papst und die Kraft des Ritus

vor etwa 1 Jahr

Der Papst und die Kraft des Ritus
Bildquelle: Tichys Einblick

Ausgerechnet zu Ostern fährt der Papst auf ins Haus seines Herrn. Das ist eine Pointe, auf die kein sterbliches Regie-Genie kommen würde. Das Geschehen gibt Anlass, über eine Institution nachzudenken, die selbst die in ihren Bann zieht, die ihr nicht angehören oder mit ihr gebrochen haben, weil Doppelmoral und Politisierung der Kirche sie abstoßen.

Zunächst eine Lüge, die auch von sämtlichen gottlosen Medien unreflektiert übernommen wird: Der Papst sei „Oberhaupt“ von 1,4 Milliarden Katholiken. So wie es aussieht, wird er nicht einmal mehr von allen deutschen Klerikern als Oberhaupt ernst genommen. Er ist – gottlob – weder „unfehlbar“ noch kann er durchregieren. Es bleibt aber die Magie seines Amtes, das nicht weniger zu sein behauptet als „Stellvertreter Gottes auf Erden“. Dieser Mythos entfaltet eine Kraft, die sich heute ausschließlich aus der Symbolik speist.

Ganz an der Spitze dieses hochtheatralischen Kults steht – wie könnte es anders sein – der Tod des Stellvertreters. Im Grunde darf dieser Mensch nicht einfach sterben. Sein Abtreten wird zur Abberufung, wenn nicht gar zur Erhöhung. Nichts ist für gläubige Normalsterbliche tröstlicher. Die Kirche ist tatsächlich in diesem speziellen Fall noch in der Lage, den Tod zu transzendieren. Nicht wirklich – aber symbolisch. Es ist das, was vom Glauben an den Himmel auf Erden noch übrig ist.

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