Über Friedrich Merz erzählte die FAZ einmal diese Geschichte: Der späte Wolfgang Schäuble, der wichtigste Mentor von Merz, soll dem frisch gebackenen CDU-Vorsitzenden 2022 den Roman „Der Leopard“ geschenkt haben. Merz aber gab das Buch eine Woche später zurück, etwas irritiert, mit den Worten: „Das ist ja ein Roman, was soll ich damit anfangen?“
Interessant ist das nicht nur, weil das für einen Bundeskanzler eine vielleicht etwas eindimensionale Geisteswelt ist, sondern auch, weil es die ihm eigene Ignoranz gegenüber gut gemeinten Ratschlägen zeigt. Politische Berater berufen sich gerne auf den Roman, um für einen „modernen Konservatismus“ zu werben und wiederholen gebetsmühlenartig das berühmte Zitat: „Wenn wir wollen, dass alles so bleibt, wie es ist, muss sich alles ändern.“ Aus heutiger Sicht muss man allerdings vermuten, dass Schäuble Friedrich Merz vor allem vor sich selbst warnen wollte.
Die Hauptfigur des Klassikers der italienischen Literatur ist ein hochgewachsener, steifer Mann deutscher Abstammung, der mit seiner Umwelt nicht mehr zurechtkommt, sich ihr aber dennoch intellektuell überlegen fühlt – der letzte wahre Fürst von Salina. Den Zeichen des Niedergangs für seinen Stand tritt der sizilianische Adlige mit einer Mischung aus Apathie, Beschönigung und Realitätsflucht entgegen. Und er flüchtet sich am liebsten in seine große Leidenschaft: die Astronomie. Die Sterne reizen ihn, weil sie dem Chaos um ihn herum entzogen sind, berechenbar und verlässlich – bis er schließlich beginnt zu glauben, die Sterne würden seinen Berechnungen gehorchen.
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