Am 26. März wurde die 25-jährige Katalanin Noelia Castillo Ramos euthanasiert. Ein Fall, der in Spanien emotional diskutiert wurde und für Aufruhr in den sozialen Medien sorgte.
Noelia Castillo war seit einem Selbstmordversuch, im Zuge dessen sie sich aus dem fünften Stock eines Gebäudes stürzte, querschnittsgelähmt und wollte ihrem Leben ein Ende setzen. Ihr Vater versuchte, dies zu verhindern. Zuletzt lehnte der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte ein Eingreifen ab, Castillo wurde am Donnerstagabend in einem Krankenhaus getötet.
Ein Fall, der gleich auf mehreren Ebenen sozialen Sprengstoff birgt: Da ist zum einen Castillos Leidensweg. Sie wurde laut eigener Aussage bereits als Jugendliche wegen familiärer Probleme in Obhut genommen, unter anderem wird der Alkoholismus des Vaters erwähnt. Sie verbrachte ihre Jugend in Heimen und wurde bereits während ihrer Jugend aufgrund schwerer psychischer Erkrankungen behandelt. Sie schilderte, mehrfach Opfer von sexuellen Übergriffen geworden zu sein, zuletzt im Oktober 2022 von drei Männern, wenige Tage vor ihrem Selbstmordversuch.
Und schließlich macht in den sozialen Medien die Anschuldigung der Anwältin des Vaters die Runde, dass das Krankenhaus den Eltern mitgeteilt habe, man könne den Prozess nicht mehr stoppen, da Noelias Organe bereits für Organtransplantationen vorgesehen seien; ein Video zeigt, wie eine junge Frau, die sich als „beste Freundin“ Noelias vorstellt, vergeblich versucht, Zugang zum Krankenhaus zu erlangen, „um sich zu verabschieden“, aber auch in der Hoffnung, dass Castillo ihre Meinung im letzten Augenblick ändere.
Ein Schicksal, das in dieser Konzentration von Elend und Leid dazu einlädt, als beispielhafte Erzählung zu gelten. Dementsprechend hat sich in kürzester Zeit ein Ringen um die Deutungshoheit entsponnen.
So verbreiteten spanische Medien die Aussage, Noelia Castillo sei in einer Jugendeinrichtung von nordafrikanischen Tätern vergewaltigt worden. Diese Information geht auf die Anwältin des Vaters, Polonia Castellano, zurück. Sie gibt ein Familienmitglied als Quelle an. Noelia Castillo lebte aber nur bis zu ihrer Volljährigkeit in Heimen – zumindest zeitlich geht diese Darstellung also nicht auf, zumindest nicht in Bezug auf den Übergriff, der sich 2022 ereignet haben soll.
Die Aussage wurde jedoch von zahlreichen spanischen Medien übernommen und stieß auf enorme Resonanz. Die sozialistische Regierung unter Pedro Sánchez will Hunderttausenden illegalen Migranten einen legalen Aufenthaltsstatus zubilligen. Zwar sind viele dieser Einwanderer aus dem lateinamerikanischen Raum; Besorgnis erregt aber, dass darunter auch zahlreiche nord- und schwarzafrikanische Migranten sind.
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