Die Corona-Maßnahmen haben besonders die Schwächsten der Gesellschaft getroffen: die Alten, die isoliert in Alters- und Pflegeheimen leben und sterben mussten. Und die Jungen. Es sei nie Ziel gewesen, dass es zu Infektionsschutz gegenüber Dritten kommt, so Jens Spahn in der Corona-Enquete-Kommission. Dennoch wurden Kinder moralisch erpresst, sich die mRNA-Spritze geben zu lassen – zum Schutz von Erwachsenen, auch von Lehrern.
Tichys Einblick hat mit einer Lehrerin an einer weiterführenden Schule gesprochen, die den Umgang kritisch hinterfragt und in der „Pandemiezeit“ eine Gratwanderung beschritten hat. Zweifel, Unsicherheit, schlechtes Gewissen plagten sie. TE sprach mit ihr über ihre Erfahrungen damals, ihre Eindrücke heute und ihre Sorgen für die Zukunft. Frau N. möchte anonym bleiben (TE sind ihr Name und die Schule bekannt).
Tichys Einblick: Frau N., als Karl Lauterbach irgendwann zugab, dass die Schulschließungen unnötig waren, wie waren da die Reaktionen an Ihrer Schule?
Frau N.: Es gab keinerlei bemerkenswerte Reaktionen, erst recht keinen Aufschrei. Lauterbach sagte ja auch, dass das Maskentragen im Freien Schwachsinn gewesen sei. Dennoch befolgten viele ab Herbst 2022 Lauterbachs Oktober-bis-Ostern-Regel auch in den darauffolgenden Jahren. Ich glaube, dass dieser Winter der erste ist, in dem keiner mehr Maske trägt. Als die Maskenpflicht aufgehoben wurde, bat man uns in der Lehrerkonferenz, sie weiterhin zu tragen: aus Solidarität. Eine Kollegin setzte sich von mir weg, weil ich keine Maske trug.
In einem Brief des Schulministeriums an Schüler und Eltern hieß es im Januar 2023: „In unseren Schulen kann weiterhin freiwillig zum Eigenschutz oder zum Schutz anderer eine Maske getragen werden. Selbstverständlich wird niemand wegen des Tragens einer Schutzmaske diskriminiert.“ Wenn man mal bedenkt, wie mit Kindern umgegangen worden war, die keinen Impfstatus hatten: Maskenträger schützte man vor sozialem Druck, die ungeimpften Kinder hatte man diesem Druck hingegen voll ausgeliefert.
Das „Corona-Regime“ hat auch funktioniert, weil viele mitgemacht haben, auch Lehrer. Lehrerverbände plädierten teilweise für mehr Maßnahmen und Schulschließungen. Warum?
Die Lehrerverbände plädierten ganz klar für die Maßnahmen und sahen die Lehrer als ihre Schutzbefohlenen an. Deshalb setzten sie sich beispielsweise stark dafür ein, dass Lehrer bei der Impfung bevorzugt wurden.
Als ich einer Gewerkschaftsvertreterin 2024 sagte, dass ich ein schlechtes Gewissen hätte und ich angewiesen wurde, gegen meine Werte zu handeln, hatte sie kein Verständnis dafür. Kinder hätten doch Lehrer angesteckt, die jetzt noch unter Post-Covid leiden würden. Kinder seien schuld, dass einige Kollegen so schwer erkrankt sind. Den Kindern und Jugendlichen wurde Verantwortung für Leben und Tod gegeben, während sich Pädagogen wie unmündige Schutzbefohlene verhielten.
Welche Rolle spielte Angst?
Das ist eine gute Frage: Woher kam diese Angst vor dem Tod, obwohl die Gefahr in der Realität gar nicht bestand? Da ist aber auch diese Überforderung und Leidensfähigkeit im Lehrerberuf, gekoppelt mit dem, ein Gutmensch sein zu wollen. Warum werden Menschen Lehrer? Weil sie an das Gute glauben, das Gute entwickeln und einen Sinn stiftenden Beruf ergreifen wollen.
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