„Der Westen darf Damaskus Gewalt und Menschenrechtsverletzungen nicht durchgehen lassen“

vor 8 Monaten

„Der Westen darf Damaskus Gewalt und Menschenrechtsverletzungen nicht durchgehen lassen“
Bildquelle: Tichys Einblick

Mit dem Machtwechsel in Syrien sind Islamisten an die Macht gelangt. Der Anführer der Miliz Hay’at Tahrir al-Sham (HTS), Ahmed al-Scharaa, auch bekannt unter seinem Kampfnamen al-Dschulani, wird vom Westen ohne jede Kontaktscheu hofiert. Währenddessen wird die salafistische Auslegungspraxis des Islam propagiert, begleitet von genozidhaften Ausschreitungen vor allem gegenüber Alawiten.

Pfarrer Peter Fuchs, Geschäftsführer der Menschenrechtsorganisation Christian Solidarity International hat mit TE über die Situation vor Ort gesprochen, aber auch über die Mitverantwortung des Westens und über Lösungen, die an der gegenwärtigen Realität orientiert sind.

Tichys Einblick: Pfarrer Fuchs, können Sie die aktuelle Situation religiöser Minderheiten in Syrien kurz zusammenfassen – was hat sich seit dem Machtwechsel Ende 2024 verändert?

Pfarrer Peter Fuchs: Dass sich die Lage der religiösen Minderheiten Syriens seit der Machtübernahme durch den Emir von Idlib und Anführer der islamistischen Terrorgruppe HTS, Ahmed al-Scharaa, massiv verändert hat, zeigen nicht nur die genozidhaften Ausschreitungen gegen Frauen, Männer und Kinder der alawitischen Glaubensgemeinschaft am Mittelmeer und im Dschebel Ansariye vom vergangenen März. Auch der Anschlag auf die griechisch-orthodoxe St. Elias-Kirche im Herzen von Damaskus vom 22. Juni 2025 mit 25 Toten und über 60 Verletzten sowie die islamistischen Gewaltexzesse gegen Drusen im Sommer haben gezeigt, dass die Luft für nicht-sunnitische Minderheiten im neuen Syrien extrem dünn wird.

Jugendliche Sunniten legen eine extreme Begeisterung für eine salafistische Auslegungspraxis des Islams an den Tag. Sie stellen sich damit sogar gegen ihre Eltern, die einen solch radikalen Islam in Syrien nie praktiziert haben.

Wie würden Sie die aktuellen Bedingungen in Syrien beschreiben, insbesondere im Hinblick auf das Risiko oder die Anzeichen für einen Völkermord?

Die Gewalt gegen Alawiten hat den Charakter eines Völkermordes. Im März haben wir gesehen, wie dschihadistische Angreifer aus dem Anhängerkreis al-Scharaas besonders in den Provinzen Tartus und Latakia in Häuser eindrangen, die Familien nach ihrer Religionszugehörigkeit fragten und gezielt alawitische Familien erschossen. Dabei ging es um Rache, aber noch viel mehr um religiöse Säuberung auf Grundlage des sunnitischen Dschihadismus.

Wie schätzen Sie die Rolle von Hay’at Tahrir al-Sham (HTS) unter dem neuen Regime in Bezug auf Religionsfreiheit ein?

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