Die deutsche Politik ist ideologisch und inhaltlich zu einem versteinerten Monolithen geworden. Ganz gleich, worum es im Einzelnen geht – ob bei der Energiewende, der Rückkehr zur Atomkraft oder dem Einstieg ins Fracking, um den akuten Gasmangel zu überwinden – nichts bewegt sich mehr. Ideologie obsiegt über Verstand. Ein ähnliches Phänomen lässt sich inzwischen auch in der Wirtschafts- und Arbeitsmarktpolitik beobachten.
Reem Alabali Radovan von der SPD hat sich in ihrer politischen Arbeit nun dem Thema des Fachkräftemangels zugewandt und ein Thesenpapier veröffentlicht, das die Fachkräftestrategie der Bundesregierung erweitern soll. Seit Mai 2025 ist sie als Bundesministerin für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung tätig; zuvor war sie Integrationsbeauftragte der Bundesregierung. Diese Perspektive prägt auch ihre Einschätzung des Fachkräftemangels.
Jahr für Jahr fehlten angeblich 400.000 Fachkräfte, warnt Radovan, und verweist auf eine bevorstehende Verrentungswelle. In den kommenden zehn Jahren könnten rund 20 Millionen zusätzliche Renteneintritte Deutschland wirtschaftliche Dynamik und Wachstum kosten. Ein bemerkenswerter Blickwinkel auf eine Volkswirtschaft. In den vergangenen fünf Jahren hat die deutsche Wirtschaft rund dreihunderttausend Industriearbeitsplätze abgebaut und befindet sich zunehmend in einer Phase beschleunigter Deindustrialisierung.
Das Fachkräftepapier der Bundesregierung ist im Ton alarmistisch gehalten. Bis 2040, so die Schätzung, könnten bis zu acht Millionen Fachkräfte fehlen. Fantasiezahlen, die sich auf einen kaum überschaubaren Zeitraum beziehen. Innerhalb dieses Zeitraums können sich soziale und wirtschaftliche Dynamiken entfalten, die schon nach kurzer Zeit jede Prognose ad absurdum führen.
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