Bürokratieabbau ist ein Zauberwort. Keine Politikerrede, kein Talkshowauftritt, keine Absichtserklärung kommt heute ohne dieses wunderschöne und elegante Wort aus. Achten Sie einmal darauf, wie selbstverständlich, wie gekonnt beiläufig es die Protagonisten der “Chatting Class” fallen lassen. Wer in diesen, ausschließlich auf sich selbst bezogenen Kreisen, ernst genommen werden will, muss im nonchalanten Umgang mit diesem Wort vertraut sein.
Aber was meinen diese Leute, wenn sie von Bürokratieabbau sprechen. Ein Fehler wäre, es wörtlich, im Sinne von weniger, zu verstehen. Denn genauso wenig wie Reform nicht Verbesserung, sondern Verschärfung der Verschlechterung bedeutet, Solidarität nicht zusammenhalten, sondern wenige Rechte für Viele, dafür mehr für Wenige und Gerechtigkeit ein hübscheres Wort für Neid ist, bedeutet Abbau nicht weniger, sondern mehr.
Versuchen Sie mal einen anderen Blickwinkel. Betrachten Sie doch die Welt aus dem Blickwinkel eines Bürokraten. Monate, Jahre fruchtvoller und ergebnisreicher Arbeit in der Beschäftigung mit Verfahren, Vorschriften und Ausführungsbestimmungen. Dann, nach gründlichem Austausch mit Kollegen in vielen Konferenzen und Calls, werden dazu Formulare ausgearbeitet. Diese Formulare müssen umfangreich sein und sich selbst widersprechen. Sie müssen unverständlich sein und jede noch so kleine und zunächst unbedeutend scheinende Absurdität berücksichtigen. Der Antragsteller muss durch besondere Verfahren irritiert werden. Beispielsweise kann man auf anfängliche Punkte zurückverweisen, wenn nach zehn Seiten eine Frage mit ja oder nein zu beantworten war. Und nicht zu vergessen, all das muss in eine Sprache gefasst werden, die außer Bürokraten niemand versteht.
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