Woher kommt nur das Misstrauen gegenüber der EU? Warum wachsen in diesem Humus Verschwörungstheorien? Über diese Fragen zerbricht man sich in Brüssel den Kopf. Nicht, dass man angesichts der Struktur der Europäischen Union tatsächlich das Vertrauen der Europäer bräuchte. Aber nicht alles, was legal ist, ist legitim; und Legitimität bedeutet oftmals, dass nicht der reine Gesetzestext wirken muss, sondern, dass zumindest ein Teil der Bevölkerung (oder in seiner Vertretung: das Parlament) den Vorgang anerkennt.
Jean-Claude Juncker hat seinerzeit als EU-Kommissionspräsident zwei Bonmots hinterlassen, die bis heute die gemischten Gefühle von EU-Skeptikern ausdrücken. „Wir beschließen etwas, stellen das dann in den Raum und warten einige Zeit ab, was passiert. Wenn es dann kein großes Geschrei gibt und keine Aufstände, weil die meisten gar nicht begreifen, was da beschlossen wurde, dann machen wir weiter – Schritt für Schritt, bis es kein Zurück mehr gibt“, ist das eine Zitat. Das andere: „Wenn es ernst wird, muss man lügen.“
Der Kontext der Aussagen ist zweitrangig; denn sie stehen symbolisch für das belastete Verhältnis zwischen Funktionärselite und Volk. Sie laden aufgrund ihrer Plakativität und Ehrlichkeit zur Überspitzung ein.
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