BP’s Rückzug aus Klima-Projekten: Die grüne Agenda zerlegt sich an der Wirklichkeit

vor 2 Monaten

BP’s Rückzug aus Klima-Projekten: Die grüne Agenda zerlegt sich an der Wirklichkeit
Bildquelle: Tichys Einblick

BP zieht den nächsten Faden aus dem grünen Teppich, auf dem sich Politik, Konzernkommunikation und Klimabürokratie jahrelang gegenseitig zugejubelt haben. Der britische Ölkonzern will Anteile an Vorzeigeprojekten zur Kohlenstoffabscheidung und -speicherung im Nordosten Englands verkaufen. Ausgerechnet dort, wo die neue industrielle Zukunft beginnen sollte, beginnt nun die Ernüchterung.

Betroffen ist das Projekt Net Zero Teesside. Dort soll das erste britische Gaskraftwerk entstehen, dessen Emissionen mit einem System zur Kohlenstoffabscheidung eingefangen werden. Betroffen ist außerdem die Northern Endurance Partnership, ein Pipelineprojekt, das Kohlendioxid aus dem Humber und aus Teesside offshore abtransportieren und unter der Nordsee speichern soll. Es war das große Versprechen der Klimawirtschaft: Industrie bleibt, Emissionen verschwinden, Politik kann weiter von Netto-Null reden.

Bernard Looney, der frühere BP-Chef, verkaufte diese Projekte einst als „das Richtige für die Welt“ und zugleich als „enorme Geschäftschance“. Großbritannien sollte das erste große Projekt zur Kohlenstoffabscheidung bekommen, vielleicht sogar den ersten kohlenstofffreien Industriecluster der Welt. So klang damals die Sprache der grünen Konzernwelt: Moral oben, Rendite darunter, dazwischen ein staatlich gefüttertes Zukunftsversprechen.

Knapp drei Jahre nach Looneys Abgang bleibt davon ein Unternehmen, das seine grüne Erzählung Stück für Stück zerlegt. BP spricht nun davon, die „Zeit sei reif“, einen Teil der eigenen Beteiligung an den beiden Projekten zu verkaufen. Die Projekte haben gerade erst mit dem Bau begonnen, doch schon sollen weitere Partner hereingeholt werden, die die langfristige Zukunft stützen. Formulierter Rückzug, wenn er nicht nach Rückzug klingen soll.

Schon im Februar 2025 hatte BP die Richtung offen geändert. Nach einem massiven Gewinneinbruch kündigte der Konzern an, wieder deutlich stärker auf Öl und Gas zu setzen und jährlich rund zehn Milliarden Dollar in dieses Geschäft zu investieren. Die Ölproduktion soll bis 2030 auf 2,3 bis 2,5 Millionen Barrel pro Tag steigen. Gleichzeitig werden die jährlichen Investitionen in erneuerbare Energien auf nur noch 1,5 bis zwei Milliarden Dollar zurückgefahren; in die Energiewende will BP nur noch „sehr selektiv“ investieren. Aus dem großen grünen Umbau wird damit ein Restposten für Projekte, die sich gerade noch rechnen.

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