Börsenwoche: Risk-on-risk-off-Rhythmus und Inflationsdynamik

vor 2 Monaten

Börsenwoche: Risk-on-risk-off-Rhythmus und Inflationsdynamik
Bildquelle: Tichys Einblick

Die holprig verlaufende Erholung am deutschen Aktienmarkt könnte sich in der neuen Woche fortsetzen. Weiterhin hoffen die Anleger, dass der wackelige Waffenstillstand im Nahost-Krieg hält und die für den Energiehandel wichtige Straße von Hormus letztlich wieder geöffnet wird. Allerdings zeige die Vergangenheit, dass Rückschläge in einem möglichen Annäherungsprozess einkalkuliert werden müssten, schrieb Analyst Christian Reicherter von der DZ Bank. Die unter den Marktakteuren vorherrschende Zuversicht scheine daher zuletzt etwas zu weit gegangen zu sein.

Insofern dürften Nachrichten zur kriegerischen Auseinandersetzung zwischen den USA und Israel auf der einen und dem Iran auf der anderen Seite weiter die Richtung am Aktienmarkt bestimmen. Dabei achten die Anleger insbesondere auf die Auswirkungen der Meldungen auf den Rohölmarkt. Sollte der Preis für ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent dauerhaft über der viel beachteten Marke von 100 US-Dollar liegen, droht ein deutlicher Anstieg der Inflation. Dies wiederum dürfte die Notenbanken zwingen, eventuell die Leitzinsen zu erhöhen, was in der Folge die Aktienmärkte entsprechend belasten dürfte.

Vor diesem Hintergrund werden die Anleger in der neuen Woche wohl vorwiegend auf die US-Preisdaten am Dienstag schauen. Präsident Donald Trump brauche baldmöglichst niedrigere Inflationsraten, um bei den Zwischenwahlen im November eine realistische Chance für eine Verteidigung der republikanischen Mehrheit in den Kongresskammern zu haben und nicht zur „Lame Duck“ zu werden, schrieb Robert Greil, der Chefstratege der Privatbank Merck Finck: Der Trend sei bisher aber ein ganz anderer: „Die US-Inflationszahlen für den April dürften sich eher der Vier- als der Dreiprozentmarke nähern.“ Greil sieht auch noch weitere Gründe, warum Trump an einem baldigen Ende des Kriegs interessiert sein dürfte. So steige generell der Druck am Markt, zu einer Einigung zu kommen. Zudem gebe es Munitionsengpässe, und wegen des Krieges fehle Geld für Aufgaben im Inland.

Die Börsenstatistik-Experten von Index Radar räumen zwar ein, dass hohe Ölpreise, geopolitische Spannungen, wieder anziehende Inflationserwartungen und eine US-Notenbank, die sich maximale Flexibilität offen hält, kein Umfeld ergeben, das normalerweise für Rekordstände bekannt sei, doch Liquidität, Technologiefantasie und robuste Unternehmensgewinne wirkten weiterhin wie ein erstaunlich belastbares Gegengewicht. US-Ökonom Ed Yardeni warnt indes vor Überoptimismus und spitzt seine Beobachtung ironisch zu: „Anleger sind zu dem Schluss gekommen, dass dank KI die Nachfrage nach Rechenleistung ins Unendliche und darüber hinaus steigen wird – ebenso wie die Gewinne des S&P 500.“ Das gebe früher oder später ein böses Erwachen.

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