Der Zerfall des Vertrauens zeigt sich zuerst im Alltag. Junge Menschenblicken düster in die Zukunft; erwarten wenig von dem, was dieser Staat noch vollmundig verspricht, Bei Frauen ist der Verfall des Vertrauens besonders deutlich spürbar. Nicht in Form langer Klagelitaneien oder politischer Analysen, sondern in persönlichen Vorsichtsregeln. Bestimmte Straßen werden gemieden, bestimmte Tageszeiten bewusst eingehalten, Kleidung unter Sicherheitsaspekten geprüft, Schuhe sollen lauffähig sein, Straßenseiten bei außereuropäisch wirkenden Männern gewechselt. Nicht aus irrationaler Angst, sondern aus einem neu erlernten Kalkül. Vertrauen in den öffentlichen Raum ist kein Grundzustand mehr, sondern eine variable Größe, abhängig von Ort, Zeit und Situation.
Was bei jedem Einzelnen beginnt, aggregiert sich zu einem gesamtgesellschaftlichen Muster. Das Vertrauen in Institutionen ist auf dem Tiefststand. Zuletzt zerbröselte das Vertrauen in das Bundesverfassungsgericht, lange Garant und Hüter der grundgesetzlichen Ordnung, jetzt von Parteipolitikern bestimmt. Man traut sich nicht mehr, die eigene Meinung zu äußern, traut Politikern alles zu. Vertragswerke werden immer dicker und umfänglicher, Gesetze und Regulierung detailistisch bis ins Unerträgliche. Die Kosten der Rechtswahrung steigen.
Eine Reihe von Personen des öffentlichen Lebens wollen der Frage nachgehen, wohin das führt und welche Lösungen möglich sein könnten.
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