„Aus Nebensätzen Elefanten machen“

vor mehr als 1 Jahr

„Aus Nebensätzen Elefanten machen“
Bildquelle: Tichys Einblick

Der Rechtsstaat funktioniert offensichtlich doch noch. Im Berufungsverfahren über Aussagen des Autors Akif Pirinçci, die das Landgericht Bonn als „Volksverhetzung“ gewertet hatte, beanstandete nun das Oberlandesgericht (OLG) Köln unter anderem, dass aufgrund der Befangenheit des Gerichts ein anderes, naheliegenderes Verständnis seiner mehrdeutigen Aussagen nicht berücksichtigt worden sei.

Über die Jahre hat sich Pirinçci eine große Fangemeinde aufgebaut. Seine Romane sind in 35 Sprachen erschienen. Seit 2013 mischte sich der Autor mehrfach in zugespitzter Weise auch in die Migrationsdebatte ein und geriet unter dem Verdacht des Rechtsextremismus ins Visier des Staatsschutzes. In der Folge wurde er mehrfach angeklagt und zu Geld- und Freiheitsstrafen verurteilt; seine (gänzlich unpolitischen) Bücher wurden nicht mehr verkauft.

Tichys Einblick: Nach dem Urteilsspruch des OLG sind Sie auch wieder auf X unterwegs. Mischen Sie sich wieder ein?

Akif Pirinçci: Ja, ich habe da im Januar wieder bei null angefangen. Mein letzter großer Account bei Twitter wurde gesperrt. Mit der Begründung, ich würde noch einen Zweit-Account betreiben. Ich wüsste gar nicht, wie man so was macht. Oder warum ich das machen sollte.

Das war und ist alles sehr suspekt. Genau wie die Sache mit den nicht mehr bestellbaren Büchern. Auch Ihr aufsehenerregender Text „Das Schlachten hat begonnen“ ist auf der Achgut-Website nicht mehr aufrufbar.

Wirklich? Das wusste ich gar nicht. Tja. Ich bin halt ein ausgelöschter Autor. Und dabei war ich sogar eine Zeit lang der erfolgreichste Autor Deutschlands. Ich stand sogar auf der „Times“-Bestseller-Liste.

Das ist eine krasse Entwicklung – vom international gefeierten Schriftsteller zum allseits geächteten Paria. Haben sich auch Freunde abgewandt?

Ich habe auch in den Zeiten, als mein Erfolg auf dem Höhepunkt war, immer sehr zurückgezogen gelebt. Ich hatte nie einen großen Freundeskreis, sondern habe einen einzigen, sehr guten, besten Freund. Als ich reich wurde, habe ich natürlich nur noch reiche Leute kennengelernt. Aber die waren so langweilig (lacht), die wollten immer nur über Geldanlagen reden und wie viel ich verdient hab’, und haben gar nicht wirklich mit mir als Autor gesprochen. Ich war halt immer so ein Künstlertyp. Mich interessiert auch nicht so viel – außer 21-jährige Kunststudentinnen natürlich.

Natürlich. Und Katzen. Haben Sie welche?

Jetzt nicht mehr. Aber ich hatte drei Katzen. Vor allem wurde ich zu der Felidae-Idee durch meinen Kater inspiriert, den Cujo. Das war das intelligenteste Vieh, dem ich jemals begegnet bin, wir haben uns telepathisch verständigt, sozusagen.

Nach Stephen Kings „Cujo“?

Genau. King, wurde ja, genau wie ich, überhaupt nicht literarisch gewürdigt. Marcel Reich-Ranicki kannte mich gar nicht, obwohl „Felidae“ da sogar schon verfilmt und ein großer Kinoerfolg war.

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