In Zeiten grassierender Judenfeindlichkeit, die längst auch in Teilen der Politik angekommen ist, wollen wir die schlimmsten Ausfälle sichtbar machen. Dafür verleiht NIUS jeden Freitag die „Goldene Wassermelone“ – einen Negativ-Preis für besonders auffällige Antisemiten. Die Wassermelone steht wegen ihrer Farben für die Palästina-Solidarisierung und damit auch für den Hass auf den jüdischen Staat. Diese Woche heißt unser Preisträger Pontius Pilatus.
Am Karfreitag liegt es auf der Hand, einen berüchtigten römischen Beamten zu küren, der historische Bekanntheit erlangte, weil er Jesus von Nazareth, einen in Galiläa aufgewachsenen Juden, zum Tode verurteilte.
Pontius Pilatus, von ca. 26–36 n. Chr. Präfekt der römischen Provinz Judäa, sollte in einer unruhigen Gegend für Recht und Ordnung sorgen, Steuern eintreiben, für Rechtsprechung sorgen und das dort stationierte Militär kontrollieren. Anders als andere Statthalter seiner Zeit, die sich nicht in das religiöse Leben der besetzten Bevölkerung einmischten, war Pilatus dafür bekannt, nicht gerade milde zu herrschen.
Von mehreren provokativen Fällen berichten der jüdische Historiker Flavius Josephus (geboren als Joseph ben Mathitjahu) und der alexandrinische Philosoph Philo von Alexandria. So ließ Pilatus Soldaten nachts römische Feldzeichen mit Büsten des Kaisers Tiberius nach Jerusalem bringen und in der Nähe des Tempels aufstellen, was massiv gegen das jüdische Bilderverbot verstieß und Massenproteste auslöste.
Inschrift auf einem Stein in Caesarea, der Pilatus’ Existenz beweist
Entweder wusste Pilatus, der einer These zufolge vom antisemitisch eingestellten Prätorianerpräfekten Seianus gezielt als Statthalter in Judäa eingesetzt worden war, nichts von religiösen Empfindlichkeiten, oder er provozierte absichtlich. Diesmal gab er noch nach, später aber finanzierte er den Bau eines Aquädukts mit Geldern aus dem Tempelschatz – Korban-Gelder, die eigentlich für Opfer bestimmt waren. Ein Sakrileg für die Juden. Sakrileg. Bei einer Protestversammlung in Jerusalem ließ Pilatus Soldaten in Zivilkleidung mit Knüppeln unter die Menge mischen; es kam zu einem Blutbad mit zahlreichen Toten und Verletzten.
Bei einem dritten Vorfall ließ Pilatus vergoldete Schilde – ohne Bilder, aber mit einer Widmungsinschrift an Tiberius – im Herodes-Palast in Jerusalem aufhängen, was die Juden als Verletzung ihrer Bräuche empfanden. Sie beschwerten sich beim römischen Kaiser, und Pilatus fing sich einen geharnischten Tadel ein.
Zu den hohen Feiertagen wie Pessach kam er aus seinem Hauptquartier Caesarea an der Mittelmeerküste nach Jerusalem, weil dort bei solchen Gelegenheiten Unruhen drohten, stets frische Truppen mit sich führend, um die Jerusalemer Garnison zu unterstützen.
Bei einer solchen Gelegenheit zum Pessach-Fest verurteilte er Jesus von Nazareth den Evangelien zufolge bei Nacht auf Druck jüdischer religiöser Autoritäten zum Tode. Nach dieser Darstellung hätte Pilatus einen eklatanten Bruch römischer Prozessordnung begangen. Historisch unhaltbar – aber mit seiner symbolischen Waschung der Hände „in Unschuld“, da er nichts Unrechtes an Jesus erkennen konnte („Ich bin schuldlos an dem Blut dieses Gerechten. Seht ihr zu!“), nahm das Narrativ von den jüdischen Gottesmördern seinen unheilvollen Lauf.
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