Friedrich Merz hat aus dem Regieren eine Kunstform des Verfaulens gemacht. Er sagt etwas, das nach Wende, Härte und Kurswechsel klingt. Die Schlagzeile steht. Bild und Welt sind stets zur Stelle und blasen sie groß auf. Linke Politiker und Redaktionen schreien auf, als stünde der Umsturz vor der Tür. Dann zerfällt die Sache, entweder noch am gleichen Tag oder spätestens einen Tag darauf.
Mithilfe von willfährigen Journalisten aus dem Axel Springer Verlag hat die Union die Kunst erhoben, Ankündigungen unter die Menge zu transportieren, die stets ohne nennenswerte Folgen bleiben können. Axel Springer ist für die Union das, was die Öffentlich-Rechtlichen für Grüne und SPD sind. Aber auch der ÖRR, Spiegel und SZ tragen ihren Teil in diesem Reigen dazu bei. Die Aufregung über angebliche Merz-Forderungen verfestigen sich ebenso bei den letzten Union-Wählern. „Aber Merz hat gesagt, dass die Syrer nach Hause gehen“ trägt für nochmal einen Monat, bis einigen älteren Geistern klargeworden ist: wieder passiert nichts. Kommen ja doch immer mehr.
Als ich meinen Text geschrieben habe, gab es sofort drei Anrufe bzw. Kurznachrichten von Union-Wählern, die die letzten vier bis sechs Monate auf der Kippe stehen: Ja, aber Merz hat doch gerade gesagt … Da könne ich doch nicht davon schreiben, dass die AfD bald die 30-Prozent-Marke knacken könnte.
Zwei Tage später haben zwei davon das Handtuch geworfen. „Zum allerletzten Mal, ich bin endgültig fertig mit diesem Laden.“ Und: „Du hattest recht. Schon wieder.“ Ich gebe nichts darauf, Recht zu behalten; in diesem Fall hätte ich mich sehr gefreut im Unrecht zu sein. Aber das Desaster fällt dieses Mal sogar für meine Beobachtung deutlich größer aus als bei den vielen anderen Umfallern von Merz zuvor.
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