Der Hindenburgpark im Hamburger Stadtteil Othmarschen erstreckt sich von der Elbchaussee gegenüber dem Generalkonsulat der Volksrepublik China den Abhang hinunter zur Elbe. Feine Gegend. Der Park bietet einen beliebten Zugang zum Elbstrand. Derzeit ist der Park eine große Baustelle. Denn die Stadt baut eine neue Fernwärmeleitung unter der Elbe, um zukünftig „klimaneutrale Wärme“ aus dem „Energiepark Hafen“ in das nördlich gelegene Fernwärmenetz der Stadt einzuspeisen. Dazu zählt auch Abwärme aus Gewerbe und Industrie. Das „Herzstück“ des Energieparks soll eine neue Gas- und Dampfturbinen-(GuD)-Anlage werden. Diese soll die Abwärme aus Industrieanlagen „ergänzen, aufheizen, speichern und absichern“. Die GuD-Anlage wird zunächst mit Erdgas betrieben, soll aber auch klimaneutrale, synthetische Gase verarbeiten können, sobald diese wirtschaftlich verfügbar sind.
Kommentar: Dass hier zum Heizen Hamburger Wohnungen ein Gaskraftwerk von der Stadt neu gebaut wird, während die Bundesregierung mit dem „Heizungsgesetz“ den Bürgern den privaten Einbau eigener Gasheizungen verbieten wollte, hat die politisch Verantwortlichen offenbar nicht irritiert.
Vor zwanzig Jahren, 2005, wollte man schon einmal die Elbe mit einer Fernwärmeleitung unterqueren. Die Hamburgischen Electricitäts-Werke (HEW), die seit 2002 zum Vattenfall-Konzern gehörten, planten den Bau eines Kohlekraftwerks im Stadtteil Moorburg. Nach der Bürgerschaftswahl 2001 wagte die Hamburger CDU unter ihrem Spitzenkandidaten Ole von Beust eine Mitte-Rechts-Koalition mit der Schill-Partei, einem Vorläufer der AfD. Mit Erfolg, denn nach dem vorzeitigen Ende der Koalition, erzielte die CDU in der Bürgerschaftswahl 2004 eine absolute Mehrheit und konnte allein regieren.
Der CDU-Senat setzte sich nun dafür ein, das Kohlekraftwerk mit 1640 Megawatt mehr als doppelt so groß zu bauen, wie bisher geplant. Außerdem sollte neben Strom auch Wärme erzeugt werden, zur Einspeisung in das Fernwärmenetz nördlich der Elbe. Auch um ein älteres Heizkraftwerk in Wedel am westlichen Stadtrand Hamburgs zu ersetzen.
Zudem hatte der Bundestag 2002 den schrittweisen Ausstieg aus der Kernenergienutzung beschlossen. Dem Norden Deutschlands drohte der Wegfall von 4.360 Megawatt elektrischer Leistung innerhalb der nächsten 17 Jahre. Stade mit 672 Megawatt war als Reaktion auf den Ausstiegsbeschluss bereits im November 2003 abgeschaltet worden. Absehbar war das Nutzungsende von drei weiteren Kernkraftwerken an der Elbe: Brunsbüttel, Brokdorf und Krümmel. Dem Kernkraftwerk Brunsbüttel (806 MW) blieben noch wenige Jahre. Kurzfristig war so mit dem Wegfall von rund 1.500 Megawatt zu rechnen.
Kommentar: Die rotgrünen Autoren des Atomausstiegsgesetzes wähnten sich zwar 2002 noch sicher, dass der Atomausstieg „Anreize für einen rationellen und sparsamen Energieeinsatz sowie die Nutzung erneuerbarer Energien und damit für die notwendige Neuorientierung der Energiepolitik geben“ würde. Doch diese Anreize waren 2005 offenbar noch nicht gegeben. Als Ersatz für den Wegfall der Kernkraftwerke war regelbare Grundlastkapazität gefordert. Die Energiequelle der Wahl dafür war immer noch Kohle. Erdgas war zur Grundlastdeckung zu teuer. Strom aus Windkraft oder Solaranlagen war weder regelbar noch grundlastfähig.
Unter den Bedingungen des Jahres 2006 erscheint der Bau des Kohlekraftwerks deshalb durchaus plausibel. CDU-Senat und Vattenfall hatten vorrangig die langfristige Sicherung der Stromversorgung im Blick. Die Erwartung, dass Kohlekraft zur Stromerzeugung noch sehr lange benötigt wird, hat sich auch als nicht ganz unberechtigt erwiesen. Im Jahr 2024 wurden noch 106 Terawattstunden (TWh) Strom aus Kohlekraft erzeugt, mehr als 2015 mit den damals noch acht verbliebenen Kernkraftwerken (92 TWh).
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