Amazon, als Buchversender gestartet und heute ein technologisches Schwergewicht als Handelsplattform und vor allem als Internet-Dienstleister mit Amazon Web Services (AWS), erlebte vor wenigen Tagen eine seiner sprichwörtlich schwärzesten Stunden. Weltweit fielen Internetdienste aus, die Kommunikation von weltweit hunderten Unternehmen, die sich auf AWS verlassen, war gestört. Möglicherweise war ein Stromausfall in einem der unzähligen Rechenzentren des Giganten die Ursache.
Das soll sich nicht wiederholen, jedenfalls auf mittlere Sicht nicht. Kurz vor dem weltweiten Ausfall sorgte Amazon für Schlagzeilen: in der Nähe von Richmond im US-Bundesstaat Washington wird das Unternehmen ein kleines Kernkraftwerk (Small Modular Reactor, SMR) bauen, das ausschließlich für die Versorgung des dortigen Rechenzentrums zuständig sein wird. Amazon verspricht sich davon eine höhere Versorgungssicherheit, die durch den immer höheren Anteil an wetterabhängigen Stromerzeugern – Wind- und Solarkraftwerke – gefährdet sein könnte, was vor allem für global arbeitende Datendienstleister und deren Kunden verheerende Folgen haben kann.
Das Kraftwerk mit der Bezeichnung Xe-100, das eine Leistung von bescheidenen 80 Megawatt haben wird, baut X-Energy mit Sitz in Rockville im US-Bundesstaat Maryland. Das Vorbild dieses gasgekühlten Hochtemperaturreaktors ging 1967 in Jülich bei Aachen in Betrieb, der sogenannte Kugelhaufenreaktor namens AVR. Der Brennstoff Uran befand sich in diesem Reaktor in tausenden tennisballgroßen Kugeln aus Graphit. Diese bildeten das Herz des Reaktors, das die Techniker „Core“ nennen. Neutronen spalteten das Uran und die entstehende Hitze – bis zu 800 Grad Celsius – transportierte das Edelgas Helium ab. In einem Wärmetauscher gab es seine Energie an Wasser ab, das verdampfte und einen Turbogenerator zur Stromerzeugung antrieb.
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