Bereits kurz nach dem Besuch Ursula von der Leyens in Damaskus Anfang Januar 2026 wird der syrische Präsident Ahmed al-Scharaa in der kommenden Woche in Berlin erwartet. In den letzten Monaten traf al-Scharaa mit einer ganzen Reihe westlicher Staats- und Regierungschefs zusammen, während sich die Situation religiöser und ethnischer Minderheiten in Syrien weiter verschlechtert – erst Anfang des Jahres hatten Kämpfe zwischen kurdischen Milizen und islamistischen Regierungstruppen zu einer Fluchtwelle aus Aleppo, einer der größten Städte des Landes, geführt.
Der Nahost-Experte Fabrice Balanche, Beirat der Menschenrechtsorganisation Christian Solidarity International (CSI), sieht in der vom Westen offenbar angestrebten Stabilisierung keine Verbesserung der Sicherheitslage für Minderheiten. Er prognostiziert für die Zukunft Syriens eine autoritäre islamische Republik, die massiv gegen die Minderheiten vorgehen werde. Insbesondere Alawiten, Drusen und Kurden stünden im Visier. Die Vertreibung der Christen werde zwar nicht direkt vorangetrieben, jedoch von Damaskus toleriert.
Die Zahl der Todesopfer unter den Alawiten, die im März 2025 Massakern zum Opfer fielen, beziffert Balanche auf über 5.000 – deutlich mehr als die von offizieller Stelle bestätigten 1.400 Opfer. Balanche nennt auch Repressionen wie Verschleppung und Zwangsheirat und macht darauf aufmerksam, dass etwa der Anteil von Christen an der Gesamtbevölkerung von fünf auf ein Prozent gesunken sei. Auch Drusen und Kurden würden verfolgt, wobei sich diese Bevölkerungsgruppen teils zur Wehr setzten.
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