Sollte es der Plan der Bundesregierung gewesen sein, einige rasche Steuererhöhungen durchzuwinken, während sich das Land in einem kollektiven WM-Taumel sediert hat, ist dieser mit dem frühzeitigen Aus der Nagelsmann-Loser Geschichte. Auch die Idee, man könne die nächste Welle an Firmenpleiten und Entlassungen, die auf die VW-Apokalypse folgt, vor den anstehenden Landtagswahlen im Osten des Landes medial in einer Art Euphoriesäure auflösen, ist gleichermaßen perdu.
Besonders bedenklich: Im Kernbereich der Chemie liegt die Kapazitätsauslastung auf einem historischen Tiefstand von mittlerweile unter 70 Prozent. Betriebe können bei so geringer Auslastung nicht mehr produktiv arbeiten; gleichzeitig zerfressen die überhohen Energiekosten und immer neue Regulierungen jede Hoffnung auf Besserung am Standort. Es spielt auch keine Rolle, mit welchen Wunderprognosen die Bundesregierung die Krise zu zerreden versucht. Die Diskrepanz zwischen politischer Selbstwahrnehmung und wirtschaftlicher Realität erreicht eine neue Eskalationsstufe.
In Regierungskreisen herrscht eine ganz eigene ökonomische Lehre. Dort glaubt man an Zentralplanung, an die Vorzüge eines riesigen bürokratischen Apparates und an die vermeintliche Weisheit parteipolitischer Gremien.
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