Die deutsche Wirtschaft kommt nicht aus der Krise, und die Sozialsysteme – insbesondere die gesetzliche Renten- und Krankenversicherung – stehen vor enormen Herausforderungen. Dringend notwendige politische Reformen bleiben aus, während der Handlungsdruck von Jahr zu Jahr weiter zunimmt. Darauf weist auch der Rat der Wirtschaftsweisen im aktuellen Frühjahrsgutachten hin. Der österreichische Ökonom Gabriel Felbermayr, der seit März neues Mitglied des Rates ist, attestiert der Politik dabei eine „Zukunftsvergessenheit“.
Besonders großen Handlungsbedarf sehen die Ökonomen im Sozialbereich. Vor allem die steigende Abgabenlast bereitet ihnen Sorgen. Bereits heute liegt der Gesamtsozialversicherungsbeitrag – also die Summe der Beiträge zur Renten-, Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung – bei 42,3 Prozent des Bruttolohns. Bleibt die Politik untätig und setzt keine Reformen in den Sozialsystemen um, dürfte dieser Wert nach den Simulationen des Rates bis 2030 auf 45,4 Prozent und bis 2040 sogar auf 49,7 Prozent steigen. Den Beschäftigten bliebe dann faktisch nur noch etwa die Hälfte ihres Lohns.
Doch nicht nur Arbeitnehmer würden dadurch finanziell zunehmend unter Druck geraten. Die stark steigenden Sozialabgaben könnten auch das Wirtschaftswachstum der kommenden Jahre erheblich ausbremsen. Der Sachverständigenrat beziffert den Effekt auf bis zu 0,9 Prozentpunkte weniger Wirtschaftsleistung bis zum Jahr 2035. Die Hintergründe erläuterte Felbermayr im Gespräch mit der Wirtschaftswoche wie folgt: „Das dämpft den Konsum, die Arbeitsanreize sinken und Arbeitskraft verteuert sich für Unternehmen.“
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