Die deutsche Wirtschaft steckt zum zweiten Jahr in Folge in einer Rezession fest. Bereits im vergangenen Jahr sank das preisbereinigte Bruttoinlandsprodukt (BIP) um 0,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Auch für dieses Jahr prognostiziert die Bundesregierung ein Schrumpfen der Wirtschaftsleistung um 0,2 Prozent.
Eine spürbare Erholung bleibt aus: Selbst 2025 wird laut der aktuellen IW-Konjunkturprognose kaum Wachstum erwartet. Nach zwei Jahren Rezession rechnet das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) lediglich mit einem Plus von 0,1 Prozent. „Die deutsche Wirtschaft kommt nicht vom Fleck‟, konstatiert das IW nüchtern.
Aufgrund der Rezession werden deutsche Unternehmen zu beliebten Übernahmezielen für internationale Industriegiganten. Chemieriese Covestro und DB Schenker stehen kurz vor der Übernahme durch ausländische Investoren. Zulieferer Leoni wurde bereits im September übernommen. Auch die Commerzbank könnte möglicherweise von der italienischen UniCredit aufgekauft werden.
Covestro, ein weltweit führender Hersteller hochwertiger Polymer-Werkstoffe, steht kurz vor einer Übernahme durch den arabischen Ölkonzern Adnoc. Das junge Unternehmen entstand erst 2015 durch die Abspaltung des Geschäftsbereichs Bayer MaterialScience von der Bayer AG. Doch die kurze Ära der Eigenständigkeit scheint für Covestro nun bereits zu Ende zu gehen. Adnoc hat sich erst kürzlich die Mehrheit am deutschen Kunststoffhersteller gesichert. Am 4. Dezember wurden Adnoc rund 70 Prozent der Covestro-Aktien angedient, wie der Konzern bekannt gab.
Diese Übernahme markiert einen historischen Schritt: Es ist die erste Großübernahme eines Dax-Konzerns durch einen staatlichen Investor aus der Golfregion und zugleich die größte Transaktion in der europäischen Chemieindustrie seit vielen Jahren. Der Deal umfasst ein Volumen von 11,6 Milliarden Euro.
Der endgültige Abschluss der Übernahme wird für das zweite Halbjahr 2025 erwartet, vorbehaltlich der Zustimmung der Regulierungsbehörden in verschiedenen Ländern. Stellenkürzungen soll es anscheinend vorerst keine geben. Covestro hat zugesichert, dass die bestehenden Mitarbeiter bis Ende 2032 vor betriebsbedingten Kündigungen geschützt sind – eine Maßnahme, die zumindest etwas Stabilität in einer Zeit des Umbruchs verspricht.
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