Zwanzig Jahre hat er verdeckt oder offen gegen sie gekämpft, jetzt kämpft er mit ihrem Erbe: Immer wieder hat Friedrich Merz (CDU) die inhaltliche Entkernung der CDU unter Angela Merkel kritisiert und bis zuletzt darauf hingewiesen, dass viele Fehlentwicklungen in Deutschland nicht erst mit der Ampel-Regierung begonnen haben.
Im Wahlkampf beschwor er einen „Politikwechsel“, wollte einen Neustart für Deutschland, doch als Merz am Mittwoch seine erste Regierungserklärung hielt, rieben sich viele Parteifreunde die Augen: Aus dem Kandidaten der Attacke ist ein Kanzler für alle geworden, der seinem Vorgänger Olaf Scholz (SPD) ausdrücklich dankt, Deutschland als Einwanderungsland bewahren und mit „gutem Regieren“ überzeugen will. Allen Wohl und keinem Weh, Kuscheln statt klare Kante. Wie viel Merkel steckt in Merz?
Als „Klempner der Macht“ hatte Merz Ex-Kanzler Scholz gescholten. „Sie können es nicht. Die Schuhe, in denen Sie als Bundeskanzler der Republik Deutschland stehen, sind Ihnen mindestens zwei Schuhnummern zu groß.“ Jetzt: „Sie, Herr Kollege Scholz, und Ihre Regierung haben Deutschland durch Zeiten außergewöhnlicher Krisen geführt. Ihre Reaktion auf den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine war wegweisend und sie war historisch. Dafür gilt Ihnen auch heute und von dieser Stelle aus noch einmal der Dank und die Anerkennung dieses Hauses und des ganzen Landes!“
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