Die Politprominenz hatte sich eingefunden auf dem Evangelischen Kirchentag: Altkanzlerin Merkel durfte sich – mal wieder – als alternativlose Stimme der Vernunft inszenieren. Knapp Noch-Kanzler Scholz bekam das vorerst letzte Mal eine große Bühne geboten, um Loriots Bundestagsrede in den Schatten zu stellen und mit vielen Worten exakt nichts zu sagen.
Wäre Selbstironie eine protestantische Tugend, hätte der Auftritt Bodo Ramelows für Erheiterung gesorgt. Ihn hatte man für die Bibelarbeit mit einer jungen Neugetauften platziert, der er in pastoral-väterlichem Ton das Evangelium und die Welt erklärte. Monolog statt Dialog, und das zum Thema „Mut zum Widerspruch“. Bilderbuchpatriarchat, und insofern eine Überraschung auf dem Evangelischen Kirchentag.
Nun ist ein prominentes „Line-Up“ eine sinnvolle Strategie, um Interesse zu wecken, Kern einer solchen Veranstaltung sind jedoch die Themen (es wäre naiv zu meinen, dass Gebet eine wichtige Rolle spielen sollte).
Und da hätte der evangelische Kirchentag durchaus auftrumpfen können. Denn hier sprach man im wahrsten Sinne des Wortes über Gott und die Welt – zwar weniger über Gott und mehr über die Welt, aber eines wurde am reichhaltigen Programm deutlich: Hier ist keine Kirche, die sich aus der Welt zurückzieht oder jenseitsbetontem Eskapismus frönt. Man will sich „mutig – stark – beherzt“ einmischen, wie das Motto des Kirchentags besagt. Kaum ein Thema, das hier nicht in Form einer Bibelauslegung, eines Gesprächspodiums oder Workshops zur Sprache kam.
Allein, nicht nur das „was“, auch das „wie“ zählt. Und hier erfüllte der Kirchentag sämtliche Vorurteile, die man der EKD als parareligiöse Vorfeldorganisation der Grünen entgegenbringt.
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