„Wer seine Stimme der AfD gibt, wählt zu großen Teilen den reinen Protest.“ Das erklärte Altbundespräsident in einem am Samstag veröffentlichten Interview mit der Welt. Gauck warnte jedoch davor, diese Wähler pauschal zu verurteilen. Es sei „Unfug“, jeden Anhänger der Partei als Extremisten abzustempeln. Hinter vielen dieser Wahlentscheidungen stehe ein tiefes Bedürfnis nach Orientierung und Entlastung in einer komplexen Welt, meint Gauck.
Klar sei aber, dass gegenwärtig und in näherer Zukunft „etwa ein Drittel der Wählerschaft“ dem „demokratischen Konsens“ verloren gehen dürfte. In den letzten Jahren hätten sich in Deutschland „feste Milieus herausgebildet, die sich in einer gewissen Fremdheit gegenüber unserem Staat und der liberal geprägten offenen Gesellschaft eingerichtet haben.“ Teilweise wolle die Wählerschaft der AfD gar „aus purer Destruktivität die totale Disruption, also alles Bestehende zertrümmern.“
Das Motiv des Heimatgefühls spielt dabei eine zentrale Rolle. Wo Menschen den Eindruck hätten, Kontrolle und Vertrautheit zu verlieren, wachse die Sehnsucht nach Zugehörigkeit und Stabilität. Gauck beschreibt dies als psychologischen Rückzug: Einige suchten Halt in einer idealisierten Vergangenheit, andere in radikalen Umbrüchen. Populistische Kräfte griffen diese Emotionen gezielt auf.
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