Rumänien setzt bei seiner Energiepolitik auf eigene Gasförderung

vor etwa 2 Monaten

Rumänien setzt bei seiner Energiepolitik auf eigene Gasförderung
Bildquelle: Tichys Einblick

In Rumänien entsteht in diesen Monaten eines der größten Gasprojekte Europas. Etwa 160 Kilometer vor der rumänischen Küste im Schwarzen Meer gelegen, befindet sich das Gasfeld Neptun Deep, das Reserven von rund 100 Milliarden Kubikmetern bereithalten soll. Ein Joint Venture zwischen OMV Petrom (mehrheitlich im Besitz der OMV AG, Österreich) und dem mehrheitlich im staatlichen Besitz Rumäniens befindlichen Konzern Romgaz entwickelt das Förderprojekt, an dem beide Partner jeweils einen Anteil von 50 Prozent halten. Das enorme Gasvorkommen ist seit 1989 bekannt, wurde allerdings aufgrund innenpolitischer Krisen und fehlender Investitionssicherheit lange Zeit nicht erschlossen.

Auch das in den letzten Jahren zunehmend feindselige politische Klima der EU, die fossile Energieträger faktisch zum Teufelswerk erklärte, leistete der Förderung einen Bärendienst. Dennoch ist es Brüssel nicht gelungen, dieses Großprojekt zu stoppen. Mittlerweile dürfte man angesichts der Energieknappheit auf dem Kontinent hinter vorgehaltener Hand froh darüber sein. Selbstverständlich löst es nicht die strukturellen Probleme, aber es könnte anderen Staaten, die sich schrittweise aus der ideologischen Umklammerung lösen, als Wegweiser dienen: dass Europa erstens weiterhin in der Lage ist, Großprojekte zu finanzieren und umzusetzen, und dass zweitens nicht die Welt untergeht, wenn man sich gegen die EU-Linie stellt und Schritt für Schritt zu einer rationalen Energiepolitik zurückkehrt.

Die Investitionssumme dieses Projekts beträgt rund 4 Milliarden Euro. Die Förderung soll im kommenden Jahr beginnen. Derzeit wird das Offshore-Pipeline- und Fördersystem errichtet, das das Gasfeld an das kontinentale Pipeline-Netz anschließt und Rumänien perspektivisch zu einem Gas-Nettoexporteur machen soll. Die jährliche Fördermenge von etwa 8 Milliarden Kubikmetern wird den Standort langfristig zu einem wichtigen Akteur im europäischen Energiemarkt machen. Rumänien dürfte seinen bereits erheblichen Anteil an der Gasförderung innerhalb der EU in den kommenden Jahren möglicherweise verdoppeln und auf 60 Prozent steigern.

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