Musk und das ZDF

vor etwa 1 Monat

Musk und das ZDF
Bildquelle: Tichys Einblick

Der neue Skandal ums ZDF trifft mich. Ich schwanke zwischen Fassungslosigkeit und Scham, hatte ich doch den Laden anders kennen gelernt. Vor Jahrzehnten. Wie konnte er so verkommen?

Antwort in aller Kürze: auf dieselbe Weise wie das ganze Land. Die Unionsparteien hatten mehr oder weniger das Sagen auf dem Lerchenberg. Sie brachten angepasste Höflinge in Schlüsselpositionen, und als die CDU und CSU nach links rutschten, rutschten die mit und kauften wiederum anpassungsfähige Redakteure ein. Mit dem grün-woken Zeitgeist wurde auch das ZDF grün-woke. Die regierenden Parteien hatten vom hörigen ZDF nur freundliche Unterstützung zu erwarten. Nötig gewesen wären Leute mit Statur statt bloß mit der passenden Gesinnung, kompetent und unabhängig. Solche Journalisten gibt es. Man könnte sie auch ausbilden, so schwer wäre das nicht. Aber es ist nicht erwünscht. Brav sollen sie stattdessen sein, als Vorgesetzte nett, als Moderatoren beliebt, stromlinienförmig. Bloß keine Debatten. Leute, die ihr eigenes Tun in Frage stellen, kann das ZDF nicht brauchen. Gesucht sind Mitarbeiter mit Freischwimmerabzeichen für den Mainstream. Mir ist nicht nach Schadenfreude. Ich wünsche mir einen Sender, der sein Geld wert ist und endlich kapiert, dass er sich selbst immer weiter schwächt, wenn er seiner Verantwortung als öffentlich-rechtliche Anstalt nicht gerecht wird und mehr bieten muss als verlässliche Einschaltquoten. Das ZDF beschädigt sein eigenes Fundament: die Akzeptanz der Zwangsgebührenzahler.

Unsaubere Nachrichten, falsche, nicht bloß zugespitzte Behauptungen kommen immer wieder mal vor im aktuellen Geschäft. Aber doch bitte nicht immer mit derselben Tendenz. Die vorgefertigte Haltung verdrängt die notwendige Skepsis. Und nach dem Fehler immer wieder derselbe Mangel an Einsicht. Immer erst unter Zwang von außen halbe Eingeständnisse statt ganze Entschuldigungen. Es gibt keine Fehlerkultur im ZDF, aber jede Menge Selbstgerechtigkeit. Selten wird jemand zur Rechenschaft gezogen. Ein Böhmermann darf Prozesse verlieren und weiter seine Rufmordshow veranstalten. Der Komödiant, der sich als investigativer Journalist ausgibt, also ein Hochstapler, hat von seinem Intendanten offenbar nichts zu befürchten. Auch der muss nicht mit Konsequenzen rechnen. Die Verwaltungs- und Fernsehräte ignorieren weitgehend ihre Aufsichtspflicht. Niemand räumt auf, niemand setzt neue Maßstäbe. Im ZDF kümmert man sich hingebungsvoll um neue Vertriebswege im Netz, aber nicht um das, was seit jeher Qualitätsjournalismus auszeichnet. Was ankommt, muss auch richtig sein, glaubt man – welch ein Irrtum! Und wenn es wieder passiert, gibt man den politisch Verfolgten, hält sich für ein Opfer rechter Kampagnen. Die bösen alternativen Medien haben ja nichts anderes zu tun, als das ZDF zu schwächen – weil sie angeblich die Demokratie schwächen wollen.

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