Ein Redakteur der Frankfurter Rundschau aus Neu-Isenburg hat in bierseeligen Runden gerne den Scherz gemacht, er gründe die Organisation „Nazis gegen Rechts“. In Anlehnung an alle, die sich mit dem Thema profilieren wollen. Nun spricht Markus Söder sich gegen Populismus aus. Ja. Genau. Der Mann, der es schafft, schon im selben Satz zwei unterschiedliche Meinungen zu vertreten. Der seine Partei aufgeben wollte, wenn sie nicht aus der Atomkraft aussteigt – und der jetzt diese Atomkraft wieder als vernünftigen Energieträger anerkannt hat. Der in der Pandemie „Team Vorsicht“ anführte und das Lesen auf Parkbänken strafrechtlich verfolgen ließ, bis der Wind sich drehte und er der mit einem Schlag der vermeintlich größte Maßnahmen-Gegner sein wollte. Dieser Mann warnt nun vor Populismus. Im Jahr 2025 braucht es keinen Alkoholmissbrauch mehr, um besoffenes Geschwätz zu erleben – Markus Söder auf Phoenix reicht schon.
Negativ gesehen dreht sich Markus Söder nach jedem Wind. Positiv gesehen hat in Deutschland kaum ein anderer Politiker so ein sicheres Gespür wie der bayerische Ministerpräsident für die Frage, wo der Wind gerade her weht. Die Deutschen sind die Grünen leid, sagt ihm jetzt dieses Gespür. Deswegen spricht sich Söder gegen eine Koalition mit den Grünen aus. Gut gebrüllt Löwe aus Bayern. Doch was kommt dann?
Das österreichische Modell schließen die Christsozialisten aus. Söder warnt davor, dass es zu „dem“ eben kommt, wenn Regierung an der Bevölkerung vorbei regierten – und meint mit „dem“ eine von der FPÖ angeführte Regierung. Alexander Dobrindt, Chef der CSU-Landesgruppe im Bundestag, sieht in der sich anbahnenden Regierung sogar „ein warnendes Signal“. In Österreich ist links-grüne Politik gescheitert – und für die CSU ist das „ein warnendes Signal“. Christdemokraten gegen Rechts. Was früher besoffenes Geschwätz war, ist 2025 Realpolitik der eigentlich wichtigsten deutschen Volkspartei.
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