Die Stimmung in der deutschen Exportwirtschaft hat sich zuletzt weiter verschlechtert. Die ifo-Exporterwartungen sanken im Mai auf minus 5,5 Punkte, nachdem sie im April noch bei minus 1,2 Punkten gelegen hatten – eine deutliche Eintrübung. Besonders angespannt ist die Lage in der Automobilindustrie: Nach vier Monaten des Optimismus rechnet die Branche nun wieder mit klar rückläufigen Exporten. Der Verband der Automobilindustrie (VDA) hatte bereits im Januar darauf hingewiesen, dass die Exporte der Branche im Gesamtjahr 2026 wohl zurückgehen werden. Die Experten hatten bei den Pkw-Exporten aus heimischen Werken deutscher Hersteller einen Exportrückgang um ein Prozent auf 3,14 Millionen Fahrzeuge erwartet. Gleichzeitig prognostizierte der VDA, dass auch die Inlandsproduktion um ein Prozent auf 4,11 Millionen Einheiten sinken werde.Die Eintrübung der Exporterwartungen, die sich aktuell abzeichnet, ist jedoch keineswegs eine neue Entwicklung. Bereits in den vergangenen Jahren sind die deutschen Industrieexporte kontinuierlich zurückgegangen. Im Gesamtjahr 2024 sanken die deutschen Exporte um 1,0 Prozent. Bereits 2023 war der Wert um 1,4 Prozent zurückgegangen. Für das Gesamtjahr 2025 ergab sich lediglich ein marginales Wachstum von 0,9 Prozent. Seit Anfang des laufenden Jahres zeichnet sich wieder eine Fortsetzung des Negativtrends ab.Besonders schmerzhaft waren zuletzt die Einbußen auf dem wichtigsten Einzelmarkt USA: Im ersten Quartal 2026 gingen die deutschen Ausfuhren in die Vereinigten Staaten gegenüber dem Vorjahr um 12,1 Prozent zurück. Der Exportüberschuss mit den USA schrumpfte dabei um 30,5 Prozent auf 12,4 Milliarden Euro.
Hinter dem anhaltenden Exportrückgang beziehungsweise den zusehends durchwachsenen Exporterwartungen für die Zukunft stehen jedoch nicht primär externe Faktoren wie die US-Zölle oder der Iran-Krieg. Die zentrale Ursache ist vielmehr die schleichende Erosion der Wettbewerbsfähigkeit deutscher Unternehmen – getrieben von den Standortkosten, die sich in den letzten Jahren immer weiter erhöht haben.
An erster Stelle stehen die hohen Energiekosten. Energieintensive Branchen wie Chemie, Stahl, Maschinenbau oder Automobilzulieferer sind von hohen Strom- und Gaspreisen direkt betroffen. Laut dem Energiedienstleister CUBE CONCEPTS lag der deutsche Industriestrompreis 2025 bei rund 17,99 Cent pro Kilowattstunde und damit über dem EU-Durchschnitt von 16,87 Cent. Nach Angaben des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) lag der Preis im Jahr 2000 noch bei 6,05 Cent pro Kilowattstunde – heute ist er damit nahezu dreimal so hoch.
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