BioNTech schließt mehrere Produktionsstandorte in Deutschland. Betroffen sind Idar-Oberstein, Marburg und Tübingen, dazu ein Werk in Singapur und Einrichtungen des übernommenen Konkurrenten CureVac. Bis zu 1.860 Stellen können wegfallen, der Rückzug soll bis Ende 2027 umgesetzt werden. Das ist die Abwicklung jenes Produktionsnetzes, das in der Pandemie noch als deutscher Zukunftsbeweis verkauft wurde.
Die Begründung klingt nach Beratungsfolie: Überkapazitäten, geringe Auslastung, Kostendruck, neue Prioritäten. In der Sprache des Konzerns ist das ein Umbau. Für die betroffenen Mitarbeiter ist es der Moment, in dem sich zeigt, was die großen Worte der Politik wert waren. Sie haben gearbeitet, produziert, Schichten getragen, Steuern gezahlt, Sozialabgaben abgeführt, vor Ort Kaufkraft erzeugt und damit über Jahre die Standorte wirtschaftlich mitgetragen. Jetzt stehen sie in der Excel-Spalte „Einsparpotenzial“.
Besonders einschneidend ist Marburg. Der Standort war während der Pandemie Teil der nationalen Impfstoff-Erzählung. Hier wurde nicht nur produziert, hier wurde politisch inszeniert: Deutschland könne noch Industrie, Forschung, Tempo und Weltgeltung. Nun wird die Corona-Impfstoffproduktion zu Pfizer verlagert. Aus dem Vorzeigeprojekt wird eine Resteverwertung. Der Ruhm blieb bei BioNTech, die Rechnung landet bei den Beschäftigten und den Regionen.
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