Ich empfinde es als amüsant, dass sich die Wohltätigkeitsindustrie so über die Kürzung/Einstellung der Entwicklungshilfe durch die USA aufregt. Man ist doch ausgelastet mit dem, was bei uns passiert. Als Folge der (moderaten) Kürzungen der deutschen Mittel prognostiziert die Helferindustrie – weil sie bewusst Entwicklungs- und humanitäre Hilfe (siehe unten) vermengt – den Tod von Millionen von Menschen, vor allem in Afrika. Wider besseres Wissen wird behauptet, dass z. B. bei Zyklonen, Dürren oder anderen Extremwetterereignissen nicht mehr geholfen werden könne.
Abgesehen davon: Viele Mittel kommen nicht bei den Bedürftigen an. Sie werden für die Verwaltung dieser Industrie benötigt, oder sie versickern. Zweifel an der Wirkung der Entwicklungshilfe sind immer noch nicht politisch korrekt, obwohl es jenen Ländern, welche die meiste Hilfe kassiert haben, am schlechtesten geht. Meine Erfahrung zeigt, dass nach einem bilateralen Schuldenerlass in kurzer Zeit bei anderen Gläubigern neue Schulden angehäuft wurden. Gleichzeitig gibt es eine massive illegale Kapitalflucht, weil Einkünfte aus den Bodenschätzen nicht offengelegt werden. Dennoch hält man sich bei den Gebern wegen des öffentlichen moralischen Drucks lieber zurück.
Der kenianische Wirtschaftsexperte James Shikwati sagt seit Jahren: „Wenn die Industrienationen den Afrikanern wirklich helfen wollen, sollten sie endlich diese furchtbare Hilfe streichen …Wenn sie abgeschafft würde, bekäme das der kleine Mann gar nicht mit. Nur die Funktionäre wären schockiert. Darum behaupten sie, die Welt ginge unter ohne diese Entwicklungshilfe.“
Immer mehr Afrikaner fordern ein Ende eines solchen Beistands. Sie diene nur der Günstlingswirtschaft und fördere die Korruption. Soweit gehe ich (noch) nicht. Ich mache weiter unten Vorschläge, wie m. E. größere Teile der Gelder wirksamer genutzt werden könnten. Afrika war schon immer ein regelrechtes Experimentierfeld, auf dem nicht nur die Deutschen ihre größtenteils noch unausgegorenen Entwicklungsmodelle testeten.Trotz der gewaltigen Summen, die nach Afrika geflossen sind, ist es nicht gelungen, wesentliche Fortschritte gegen Armut zu erzielen. Schon Lord Peter Bauer (1915–2002), einst Professor an der London School of Economics, hat bereits vor 40 Jahren geschrieben: Entwicklungshilfe belohne den Misserfolg und verewige damit die Armut.
Aber Fehlschläge beeindrucken die Wohltätigkeitsindustrie nicht, insbesondere auch, weil sie sich selbst kontrolliert. Leider ist auch das Interesse der Medien an einer Aufklärung der vermeintlichen Wohltaten sehr gering. Unser Afrikabild wird immer noch von ideologiegesteuerten Wunschträumen und den sich selbst erhaltenden Hilfswerken geprägt. Die Hilfsindustrie hat einen Sonderstatus, der anscheinend jegliche Kritik verbietet. Es ist unverständlich, wenn derartige Organisationen, die erhebliche wirtschaftliche Eigeninteressen verfolgen, sich nicht damit anfreunden können, dass das eigene Handeln kritisch hinterfragt werden darf. Mit der Political Correctness entsteht auch in der Entwicklungspolitik ein Zwang zum Wegschauen und zur Schönfärberei. Probleme werden geleugnet. Afrika ist auch deshalb arm und unterentwickelt, weil sich eine dünne Oberschicht maßlos bereichert und darüber die Entwicklung des Landes „vergisst“. Afrika entgehen laut einem Bericht der Afrikanischen Union von Juli 2025 jährlich 88 Milliarden US-Dollar durch Steuerhinterziehung, Geldwäsche und Korruption. Grobe Schätzungen gehen sogar von über 500 Milliarden US-Dollar aus, sagt der Kameruner Idriss Linge vom Tax Justice Network im britischen Bristol.
Seit 60 Jahren deutscher Entwicklungshilfe gibt es viele Schlagworte wie „Hilfe zur Selbsthilfe“, „Partnerschaften auf Augenhöhe“, „Erfolge zeigen Wirksamkeit“ und „Entwicklungshilfe bringt Wohlstand“. In Wirklichkeit gehen fast alle Entwicklungsprojekte in Afrika schief, wenn die staatlich vergüteten Helfer gegangen sind. Dies vor allem, weil die Helfer keine Nähe zum Alltag der Afrikaner haben. Der „White Savior Complex“ (Teju Cole) macht die Afrikaner zu ewigen Opfern. Die jungen Wohltäter würden – so Teju Cole – die Vorstellung vom afrikanischen Kontinent als einem Ort nie endender Sorgen bestärken. „Die Geber stehen Schlange, sie legen keinen Wert darauf, dass Regierungen eigene Lösungen erarbeiten.“
Mit unserem Geltungsdrang geben wir – als größtes Geberland – pro Jahr rund 30 Milliarden Euro an Entwicklungshilfe aus. 10,28 Milliarden Euro kommen aus dem Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ). Beim UN-Klimafonds ist Deutschland der wichtigste Finanzier. Daneben fördert das BMZ noch 400 sogenannte Nichtregierungsorganisationen (NGOs). Es wäre dringend nötig, dass der Rechnungshof sich – wie gerade in Österreich – auch mit der öffentlichen Finanzierung dieser NGOs befasst. Wie in Österreich gibt es auch bei uns eine mangelnde Transparenz über die angeblichen Erfolge einzelner Projekte.
Der Bundesrechnungshof hat immer wieder ungenügende Evaluierungen bemängelt. Hinzu kommt, dass alle Afrikaner, die ich kenne, es nervt, wenn alle sie retten wollen. In einem zentralafrikanischen Land bekam zu meiner Zeit ein lokaler Berater der GTZ ( heute GIZ) monatlich 7000 Euro. (Ein Minister erhielt monatlich offiziell 1200 Euro.) Der Berater baute sich zwei Häuser, die er teuer an ausländische Entwicklungshelfer vermieten konnte. Dass – mit Ausnahme dieses Entwicklungshilfefunktionärs – die Armut in diesem Land nicht abnimmt, dafür mache ich vor allem zwei Gruppen verantwortlich: korrupte afrikanische Herrscher und ihre Günstlinge sowie eine westliche Entwicklungshilfe, die diese Oberschicht unfreiwillig finanziell mästet und gleichzeitig eine riesige Helferindustrie aufgebaut hat, die fürstlich lebt.
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