Sein Gesicht kennen die meisten nur verzerrt. Mit diesem einen Ohr, das etwas weiter absteht als das andere, mit der riesigen Stirn, darunter dem ausgezehrten Körper: Thomas Tuchel (52), aktuell Trainer der englischen Nationalmannschaft. An seinem Stuhl sägt eine kritische Boulevardpresse, auf seinen Schultern liegt die Hoffnung eines Landes, nach 1966 endlich wieder Weltmeister zu werden.
Tuchel wirkt wie ein Rasenwüterich, einer, der nicht mehr in diese Zeit passt, in der die Chefs Befindlichkeitsjongleure ihrer Teams sind. Tuchel kann hitzig und gleichzeitig eiskalt wirken. Und dann sind da diese Augen, wachsam wie bei einem Wolf. Der ganze 1,92-Meter-Mann scheint immer bereit zum Angriff – auch auf seine eigenen Leute. Tuchel ist keiner, der eint. Er ist einer, der antreibt, der sich selbst und anderen keinen Fehler zugesteht. Ein Getriebener.
Seit dem WM-Aus der Deutschen schauen wir staunend zur englischen Nationalmannschaft, die, von Tuchel seit dem 1. Januar 2025 trainiert, eine Runde nach der anderen weiterkommt. Mit Fehlern und Stolperern, die vom Coach wütend kommentiert werden. „Du weißt, was Du tun sollst. Mach, was ich Dir gesagt habe!“, brüllt er beim 4:2-Sieg gegen Kroatien in Richtung des Torwarts Jordan Pickford. Tuchels Rachenraum kennt die halbe Welt, seine ausladende Gestik auch. Mal donnert er aus Frust eine Wasserflasche auf den Rasen, mal vergräbt er das Gesicht theatralisch in den Händen. Das sei verminderte Impulskontrolle, sagen die einen. Ich sage: Es ist unbedingter Siegeswille.
MERZ: "Das ist eine harte Entscheidung. Das wissen wir!" Der Reform-Hammer vom Kanzler! I LIVESTREAM












